Koreanische Küche – schwer im Kommen, von London bis Paris. Aus Berlin schreibt jetzt der Tagesspiegel-Kollege Bernd Matthies: "Koreanisch ist das neue Vietnamesisch." Doch der Hamburger isst ja nichts so heiß, wie andere es kochen. Hier werden solche neuen Mätzchen erst mal an robusten Studentenmägen erprobt. Die meisten koreanischen Lokale findet man rund um den Grindelberg. Das beliebteste verbirgt sich in einem tristen Gewerbehof zwischen Universität und Messe.

Wie ein neuer Hipster-Treff wirkt das Han-Mi gerade nicht: ein großer Raum mit zerkratzten Tischen, Kunstledersofas und fleckigen weißen Wänden. Aber es riecht gut – nach gebratenem Fleisch und würziger, süßer Sauce. Han-Mi heißt schlicht "der koreanische Geschmack", aber wie ist der überhaupt? Bekannt wurden ja nur Kimchi und Bulgogi – fermentiertes Gemüse und mariniertes, am Tisch gegrilltes Fleisch. Und tatsächlich haben fast alle der vielen Gäste so einen Gasgrill zwischen sich stehen. In bester Fondue-Manier werkeln sie mit klackernden Eisen-Stäbchen auf den heißen Platten herum. Macht Spaß, aber nicht klüger; so ist man ja selbst der Koch. Besser, man überlässt sich der fantastischen Fremdheit einer Karte, auf der die Speisen Django Gui oder Yatsche Bibimbab heißen. Immerhin: Die Suppe Muh Guk ist tatsächlich mit Rindfleisch.

Diese Küche, das merkt man bald, macht nicht bloß auf urwüchsig. Schon der Auberginensalat für 4,50 Euro hat richtig Wucht. Die heißen Scheiben liegen auf kaltem Eisbergsalat, dem reichlich dosierten Senfdressing gibt Sesam einen Hauch Süße.

Es geht also um Kontraste, bisweilen ziemlich harte. Eintöpfe brodeln im Eisentopf, Bauchfleischscheiben zischen auf dem Grill, Soßen brennen auf der Zunge. Schärfe sollte man mögen, wenn man hier isst; jedes zweite Gericht ist mit der Chilipaste Gochujang versetzt. Zugleich spürt man eine Zartheit: den Tofu zum geschmorten Schweinenacken, die weich gekochten Rettichscheiben zur pochierten Dorade.

Zugegeben, der koreanische Geschmack gemäß Han-Mi ist nicht so variantenreich wie etwa der chinesische; nach ein paar Besuchen kennt man das Programm. Er ist auch nicht so verwöhnend wie der japanische; oft kaschiert die verschärfte Würzung die Mittelmäßigkeit des Produkts. Aber wo sonst gibt es Knaller wie den Kimchi-Pfannkuchen? Dippt man die knusprigen Stücke in die dunkle Sojasauce mit Frühlingszwiebeln und Chili, schmeckt man so ziemlich alles, was überhaupt schmeckbar ist.

Hoffentlich wird Koreanisch nicht das neue Vietnamesisch. Die Hamburger Vietnamesen bescheiden sich ja mit einer Wohlfühlküche für lunchende Büromenschen. Wer dagegen aus dem Han-Mi kommt, möchte für die nächsten Stunden niemanden anhauchen. Dieses Essen ist wirklich, wie der Hipster sagt, "in your face".

Han-Mi, Rentzelstraße 36–40, Grindelviertel. Tel. 38 07 38 02. Geöffnet montags bis samstags von 11.30 Uhr bis 15 Uhr und von 17.30 Uhr bis 23 Uhr, sonntags von 17 bis 23 Uhr. Hauptgerichte um 12 Euro.