Weimar, Frankfurt, Dresden, er reist gerade von Stadt zu Stadt, er ist zweifellos also da, doch es ist ja bekannt: Er sagt nichts, er wird nichts sagen.

In Weimar bekommt er die Goethe-Medaille verliehen, in Frankfurt stellt er auf der Messe sein Buch Deutschland vor, in Dresden tritt er zur Eröffnung der Ausstellung Erinnerungen einer Nation auf, eines Kondensats seiner Londoner Schau Germany, und an all diesen Orten spricht er über die Geschichte des Landes, dessen Gegenwart gerade politisch vibriert: Deutschland eben, der historische Flickenteppich in immer wieder anderen Grenzen, der heute das Machtzentrum des Kontinents bildet.

Der Oktober geht zur Neige, seit diesem Monat ist der legendäre Neil MacGregor, bisher Direktor des British Museum in London, für nun zwei Jahre als Gründungsintendant des Humboldt-Forums in Berlin tätig, das im erneuerten Hohenzollern-Stadtschloss 2019 eröffnen wird: Mehr weiß man nicht. Immer noch nicht, obwohl alle Welt versucht, diesen Neil MacGregor zum Sprechen zu bringen.

Es wäre kein übereilter Schritt, etwas zu sagen: Seit 2002 wird gewartet, im Besonderen seit MacGregors Ernennung im Frühjahr 2015, das Berliner Richtfest in der Stadtmitte ist schon um, doch außer Barenboim, Weltbürgerrhetorik und Baustelle war da nicht viel. Der Sommer zog vorbei, nun geht der Herbst ins Land, und MacGregor ist, wenn er nicht gerade kurz in Mumbai weilt, inzwischen zum Greifen nah. Er reist. Ihm nach also!

Man muss ihn jetzt fragen: Was wird Berlins Humboldt-Forum der Welt mitteilen, was will es zeigen? Will das Forum einen neuartigen Weg zwischen Wissenschaftsgeschichte, Kunstsammlungen und Belehrung finden oder einfach solides Museum sein? Was sonst? Warum überhaupt ist MacGregor nicht ein veritabler Intendant mit Befugnissen geworden, sondern nur für das Provisorium der Gründung bestellt, ist das alles ein Fake, wer hat die Macht, und hat der Mann überhaupt in Berlin eine Wohnung?

Was der zierliche 69-jährige britische Kunsthistoriker aus dem schottischen Glasgow dann, zunächst bei einem Kaffee in einem Seitenraum der Frankfurter Buchmesse, mit seiner viel gerühmten Liebenswürdigkeit sagt, ist Folgendes: Er äußert sich nicht. Leider. "Das verstehen Sie hoffentlich." Er will zuerst noch viel zuhören! Alles Fragliche muss ja noch mit den beiden anderen Chefs des Humboldt-Projektes ermittelt werden, dem Kunsthistoriker Horst Bredekamp und Hermann Parzinger, Vor- und Frühgeschichtler, Leiter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

"Aber wann werden Sie sich denn äußern?", dies noch möglichst beiläufig hinterhergefragt, er wiederum will nicht wirken wie einer, der sich spreizt oder ziert. "Bitte verstehen Sie es nicht als Unhöflichkeit." Dann lächelt er: "Es ist noch zu früh, viel zu früh!" Die Wohnung, immerhin eine Antwort, gibt es noch nicht. Und in Dresden, zwei Tage drauf, wird es dann heißen, dass er sich für eine Woche pro Monat in Berlin aufhalten wird. Die Geschichte könnte also hier enden, bedauernd: viel Lärm um sehr wenig. Der Brite wird die gefühlte neudeutsche Leere nicht füllen.