Diese Typen sehen echt übel aus. Tarnfleck-Jacken, dunkle Sonnenbrillen, rötlicher Zottelbart, einer trägt das Gewehr über die Schulter, einer hat es unter den Arm geklemmt. Einer hält einen toten Vogel in der Hand, muss wohl eine Ente sein, der andere sieht so aus, als wolle er gleich noch eine Ente abknallen. Diesen Männern will man am liebsten gar nicht begegnen, schon gar nicht in diesem Sumpf, in dem sie da stehen.

Passen solche Männer zu St. Pauli?, titelte die Mopo vergangene Woche mit diesem Foto, und natürlich war die Frage keine Frage, sondern eine Aussage. Natürlich nicht! Natürlich sind solche Kerle das genaue Gegenteil von dem, was der Fußballverein FC St. Pauli vorgibt zu vertreten. Die Mopo fragte die Nicht-Frage, weil diese wilden Männer aus dem amerikanischen Wald auf einem Werbefoto des Ausrüsters abgebildet sind, der von der kommenden Saison an den Fußballverein aus dem Kiez ausrüstet. Under Armour heißt der Konzern.

Wie kann ein Fußballverein, der so viel darauf hält, moralisch integer zu sein, sich auf so etwas einlassen? Das ist die wahre Frage, die der Artikel in der Mopo stellte. Und das ist die Frage, die seitdem in Fan-Foren, Zeitungen und Zeitschriften diskutiert wird.

Der FC St. Pauli ist der politischste Fußballverein der Republik. Seine Mitglieder sind das gerne, sie haben es sich ja so ausgesucht. In politischen Zeiten wie diesen kann das für das eigene Ansehen durchaus von Vorteil sein – man bedenke nur, welche Vorbildfunktion der Verein in Flüchtlingsfragen hat. Oder wie viel Applaus der FC St. Pauli dafür bekommen hat, dass er eine von der Bild-Zeitung und dem Ligaverband organisierte Aktion für Flüchtlinge mit der Begründung ablehnte, der Verein tue schon so viel für diese Menschen und sehe daher keine Notwendigkeit, bei dieser Sache mitzumachen. Dass man damit manchen verärgert, mit der Ablehnung der Bild- Aktion zum Beispiel deren Chefredakteur Kai Diekmann, gehört zum Konzept. Das stärkt das Flegel-Image und macht die eigenen Fans stolz.

St. Pauli ist also nicht nur der politischste Verein der Republik, er ist als Folge dessen auch der Verein, der am besten anzugreifen ist. Das bekommt er jetzt zu spüren. Ein Fehler und die Gegner sind da. Kai Diekmann zum Beispiel antwortete per Twitter auf die Frage der Mopo, ob diese Männer zum FC St. Pauli passen, und schrieb: "Ich finde: JAAAAAA!", und endete den Tweet mit dem Hashtag #Peace. Mehr Schadenfreude geht kaum.

Man habe gewusst, dass dieser Deal Diskussionen nach sich ziehen werde, sagte Sportdirektor Thomas Meggle dem Abendblatt, aber man habe alle Punkte kritisch durchleuchtet und sich dann am Ende für Under Armour entschieden. Geschäftsführer Andreas Rettig schrieb in einem Statement an die ZEIT, es habe eine offene und transparente Diskussion mit allen relevanten Gremien des Vereins und der Fanszene gegeben. Under Armour wurde gewählt, weil das Gesamtpaket das beste für den Verein gewesen sei.