Auch in Krisenzeiten ist Rio de Janeiro eine Schönheit, zumindest von hier oben betrachtet. Das azurfarbene Wasser der Guanabara-Bucht trifft auf weiße oder goldgelbe Sandstrände. Hinter den Hochhausschluchten der brasilianischen Metropole ragen grüne, dicht bewachsene Hügel empor. Wie etwa Pedra Bonita, der "schöne Felsen", von dem sich Rios Drachenflieger stürzen.

Tandemfliegen über Rio ist gerade eine beliebte Attraktion – auch weil es ausländische Besucher nicht die Welt kostet. Zwischen 400 und 450 Real verlangen Anbieter für den Flug, das sind nach heutigem Wechselkurs rund 100 Euro. Vor einem Jahr wären es noch 130 bis 150 Euro gewesen, aber seither ist Brasiliens Währung in die Knie gegangen. Gründe dafür sind die Rezession und die Angst der Investoren vor einer neuen Schwellenländer-Krise.

Jahrelang haben aufstrebende Volkswirtschaften wie Brasilien, die Türkei oder China geboomt, haben Großinvestoren viel Geld dorthin transferiert. Nun ziehen diese Anleger Milliarden ab, verlieren der Real, die türkische Lira oder Währungen von Rohstofflieferanten wie der südafrikanische Rand rapide an Wert. Entsprechend preiswerter werden all diese Länder nun für Touristen aus dem Euro- oder Dollar-Raum. Da bietet es sich doch an, sie zu besuchen: gerade jetzt, da es in Mitteleuropa immer kälter, nässer, dunkler wird.

Ein schlechtes Gewissen, weil man von einer Währungskrise profitiere, müsse niemand haben. sagt Tom Hall, Chefredakteur bei Lonely Planet. "Im Gegenteil: Der Tourismus hilft diesen Ländern – vor allem kleinen Unternehmern wie Hotel- und Restaurantbetreibern, Künstlern oder Fremdenführern. Das bringt Geld ins Land und hilft gegen die Krise."

Wer die günstigen Wechselkurse nutzen will, muss sich die Traumreise selbst zusammenstellen. Pauschaltouren werden nicht billiger. "Wir senken diese Preise grundsätzlich nicht, weil dann Kunden, die früher gebucht haben, sich beschweren würden", sagt Marcel Schneider vom Brasilien-Spezialveranstalter Viventura. Eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands erklärt: "Die Preise werden meist ein Jahr im Voraus kalkuliert, und die Kataloge gelten für die ganze Saison." Zudem müssten die Veranstalter für den Fall vorsorgen, dass sich die Devisenmärkte mal in die andere Richtung entwickelten.

Myanmar

Die Einbein-Ruderer sind typisch für den Inle-See im Zentrum Myanmars. Wenn die Fischer ihre Hände für die Reusen brauchen, umfassen sie das Ruder mit dem Bein und bewegen sich voran. Das ist (noch) keine Show für Touristen, sondern Alltagswerk. Eine Halbtages-Motorbootfahrt zu den Fischern und den schwimmenden Gärten auf dem See kostet weniger als 15 Euro, Doppelzimmer in Drei-Sterne-Hotels sind für rund 35 Euro zu haben. Im vergangenen halben Jahr hat der birmesische Kyat zum Euro fast 30 Prozent an Wert verloren. Es ist eine gute Zeit, um nach Myanmar zu reisen. Das einst verschlossene Land öffnet sich der Welt. Und noch wirken Orte wie der Inle-See recht authentisch.