Die Angst, dass sich etwas verändern könnte, ist bei den Betonbischöfen über Monate gewachsen. Nicht nur im Herzen der Kirche, in Rom, in nächster Nähe zum Reformpapst Franziskus, sondern auch Tausende Kilometer weit weg, etwa in der mächtigen amerikanischen Bischofskonferenz. Schon im Frühsommer wappneten sie sich in Washington gegen drohende Reformen – man merkte es an der schlecht verhohlenen Missbilligung, mit der einige Bischöfe auf die Umweltenzyklika ihres Papstes reagierten, aber auch an so Kleinigkeiten wie der Ausstattung kircheneigener Buchshops.

Kleine Szene aus dem "National Shrine", der prächtigen Basilika inmitten der US-Hauptstadt, direkt neben dem Sitz der Bischofskonferenz. Oben im Kirchenraum die Gottesmutter Maria. Unten im Keller der Buchladen, bestückt mit Anti-Abtreibungs-Literatur, aber auch einem aktuellen Regal zum Thema Familie: was der Papst sagt, was seine Gegner sagen – nur die Bücher des deutschen Kardinals Walter Kasper fehlen. Seltsam. Kasper hielt im Auftrag des Papstes, quasi als Auftakt der zwei Familiensynoden 2014 und 2015, eine Rede über "Das Evangelium von der Familie". Darin schlug er Neuerungen vor, die die Debatte erst in Gang brachten.

Frage an den Verkäufer, einen Priester: "Haben Sie hier auch einen Titel von Walter Kasper?"

Strenge Antwort: "Nein, solche Bücher verkaufen wir nicht."

Erstaunte Nachfrage des Kunden: "Warum?"

Sehr strenge Antwort des Verkäufers: "Sie sind nicht konform mit dem Kirchenrecht."

Kunde: "Sie sind konform mit dem Evangelium! Und auch mit dem Kirchenrecht."

Verkäufer: "Nein."

Kunde: "Der Papst ist anderer Meinung als Sie."

Verkäufer, nun wirklich genervt: "Auch der Papst muss sich an das Kirchenrecht halten!"

Das ist die Stimmung, in der einige Konservative nach Rom zur Synode gekommen sind. Vor allem Amerikaner und Afrikaner werden seit Anfang Oktober nicht müde, auf das Kirchenrecht, noch lieber auf die angeblich unveränderliche Lehre zu pochen. Rückhalt haben sie bei reaktionären Kräften der Kurie, die im Flüsterton ihren Papst schon mal als Häretiker bezeichnen. Doch, wirklich. Sie saßen auch diese Woche wieder in den Restaurants gleich um die Ecke vom Heiligen Offizium, dem gelben Klotz, noch in Sichtweite des Petersdoms, und schimpften, der Neue, Bergoglio, bringe ihre Kirche zum Einsturz. Klar, dass sie sich berufen fühlen, dies zu verhindern. Allerdings: Es ist für Katholiken nicht einfach, ihren Papst, den Nachfolger Petri, abzulehnen.

Deshalb kaprizieren sich die Reformgegner nun seit einem Jahr, seit der ersten Familiensynode, gern auf Vordenker wie Kasper. Elf Kardinäle, eine ganze Fußballmannschaft, tat sich zusammen, um in einem frommen Familienbuch zu beweisen, dass es trotz Kaspers schlüssig und von den Kirchenvätern hergeleiteter Erneuerungsthesen keineswegs möglich sei, etwa wiederverheiratete Geschiedene beim Abendmahl der katholischen Kirche zuzulassen.

Ach, das Abendmahl! Es ist nur eine der vielen Familienfragen, über die nun in Rom symbolisch gezankt wird, während draußen in der Welt diese Fragen täglich beantwortet werden: von den vielen Priestern, die im Gottesdienst zulassen, was offiziell unzulässig ist; und von den anderen, die sich an die Regeln halten, aber den Zorn des Kirchenvolkes erregen.

Denn das ist die historisch einmalige Situation: Die unbotmäßigen Laien und der Papst, dieser Barmherzigkeitsapostel, der gern Gnade vor Recht predigt, sind sich einig. Es muss sich etwas ändern! Franziskus fordert die Synodenväter deshalb dauernd auf, sich zu streiten: "Nicht schweigsam in einem falschen Frieden zu verharren! Offen sprechen! Alles, was zu sagen sich einer gedrängt fühlt, soll mit Freimut gesagt werden!"