Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Die Wiener Wahlen haben neben einigen anderen Skurrilitäten noch etwas anderes, fast Vergessenes, in Erinnerung gerufen: ein Wesen, das im Vakuum der Bedeutungslosigkeit existiert, nämlich den nicht amtsführenden Stadtrat. Diese spezielle Spezies des Homo passivus wurde nun sogar um eine noch sonderlichere Daseinsform bereichert: den nicht amtsführenden Vizebürgermeister.

Man könnte hier einwerfen, dass einige Stadträte erinnerlich sind, die ihr Amt zwar getragen, aber nie wirklich ausgeführt hätten. Kurz: den Fleiß anderen überlassen und bei vollen Bezügen tachiniert hätten. Das mag sein, aber bei einem nicht amtsführenden Stadtrat (oder Vizebürgermeister) ist das Tachinieren gleichsam amtlich angeordnet. Er darf gar nichts anderes machen, als nicht das Amt zu führen, weil es die Verfassung so will.

Der Fußball hat demonstriert, wie dieses Prinzip funktioniert. Im Rasensport gibt es jede Menge gescheiterter Trainer, die bei vollen Bezügen spazieren gehen. Auch bei einem etwaigen Ärzteüberschuss wäre es denkbar, nicht praktizierende Mediziner dafür zu bezahlen, dass sie nicht medizinieren. Für die Volksgesundheit wäre das vielleicht mitunter ein vernünftiger Schritt. Aber wenn man das kolportierte Gehalt von schnöden 9.400 Euro in Betracht zieht, ist der nicht amtsführende Stadtrat sicher kein Traumjob. Für ein von Gesetzes wegen verhängtes Berufsverbot mit einem derart läppischen Betrag abgespeist zu werden, das ist der eigentliche Skandal.

Zuständig für derartige Fehlentwicklungen in der Politik sind traditionellerweise die Freiheitlichen: Nun fallen ihnen aufgrund des Wahlergebnisses noch ein weiterer nicht amtsführender Stadtrat und der eben erwähnte nicht amtsführende Vizebürgermeister zu. Mit sehr verhaltenem Protest nahmen sie alle diese Nicht-Ämter an. Plötzlich versteht man den Unterschied zwischen nicht und nicht. Nicht wirklich etwas zu leisten und fürstliche Gehälter zu beziehen, das ist Filz – bei den anderen. Das heißt, der Filz ist immer dort, wo man sich gerade nicht selbst befindet. So bleibt man sauber.