Das Glück sei ein Vogerl, heißt es im Wienerlied. Lieb, aber scheu und schwer einzufangen. Doch das Glück kann auch eine Praline aus einer Bregenzer Konditorei sein, die für die Besucher der Happy Show zum Verzehr bereitliegt. Oder das gute Gefühl, durch eifriges Treten auf einem interaktiven Fahrrad eine Neonschrift auf der gegenüberliegenden Wand zum Leuchten zu bringen: Seek Discomfort – "Strebe Unbehagen an".

Die Suche nach dem Glück manifestiert sich in der Ausstellung des Designers Stefan Sagmeister im Wiener MAK, die signalgelbe Leuchtfarbe wie ein Leitsystem einsetzt, in einer Vielzahl von Objekten, Filmen, installativen Anordnungen und Spielsituationen. Manche sehen in ihrer zeichenhaften Reduktion aus wie Verweise auf Otto Neuraths bildstatistische Methode, andere, wie die riesenhaften aufblasbaren Affen in der Säulenhalle des Museums, sprechen den Betrachter in ihrer monumentalen Präsenz unmittelbar auf der Gefühlsebene an.

Sagmeister hat zahlreiche Studien ausgewertet, Expertengespräche geführt, Selbstversuche unternommen, um herauszufinden, was dieses Ding, das man Glück nennt, nun sei. Und dann verwirbelt er all diese Erkenntnisse und lässt sie in seiner Show explodieren, in der sich dadaistischer Blödsinn mit Erkenntnis mischt, Kalendersprüche mit tiefen existenziellen Einsichten, fantasievolle künstlerische Versuchsanordnungen mit schlichten Tabellen, auf denen man beispielsweise lesen kann: "Das ideale Einkommen, das zur Zufriedenheit führt, liegt bei jährlich 85.000 Dollar. Alles, was darüber hinausgeht, fügt dem Glücksgefühl nichts Wesentliches mehr hinzu."

Stefan Sagmeister, weltberühmter Grafikdesigner, Existenzphilosoph und Glasperlenspieler, hat einen Status, der es ihm ermöglicht, Dinge zu tun, die den Rahmen der Werbeindustrie sprengen. Ob es sich um eine Ausstellung handelt oder einen Film, einen Vortrag oder eine künstlerische Intervention. Wie im Jahr 1999, als er sich für ein Plakat des American Institute for Graphic Arts den Text mit einem Stanley-Messer in die Brust ritzen ließ und damit das Geschäft der grafischen Gestaltung nahe an den Wiener Aktionismus heranrückte. "Nach den ersten Erfolgen meines Büros in den neunziger Jahren dachte ich: Ich bin Grafiker, ich beherrsche die Sprache", erzählt Sagmeister. "Ich sollte ausprobieren, ob man damit etwas anderes machen kann, als nur zu verkaufen oder zu promoten."

Der 1,95 Meter große Mann, schlank wie eine Gerte, mit attraktiv ins Gesicht gekerbten Lebensspuren, wurde 1962 als jüngster Sohn in eine Familie hineingeboren, die in der Vorarlberger Landeshauptstadt Bregenz ein Bekleidungshaus betreibt, in dem Generationen von Jugendlichen ihre Konfirmationsanzüge angepasst wurden. Nach dem Studium an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst und nach einigen Lehr- und Wanderjahren landete er schon in den frühen neunziger Jahren in New York. Dort arbeitete er zuerst bei M&Co., der Firma des Design-Gurus Tibór Kálman. Bald darauf entwarf er schon das Artwork für Alben der Rolling Stones, der Talking Heads, für Lou Reed und David Byrne. Später orchestrierte er große Kampagnen für den TV-Bezahlsender HBO, für Time Warner und das Guggenheim Museum. Immer humorvoll, immer provokant, immer situationselastisch den Anforderungen des Auftrages angepasst. Sagmeister – das war weniger ein wiedererkennbarer Stil als eine Haltung, die darauf zielte, nicht einfach nur das Spiel zu spielen, sondern die Regeln immer wieder neu zu definieren.

Und all dies in einem kleinen Studio in der 14. Straße, eine Etage über einem Nagelstudio. "Mir war es immer wichtig, die Fixkosten so gering wie möglich zu halten und auf ein nobles, edel gestaltetes Büro zu verzichten", sagt der Ideenhändler in leicht gedecktem Tonfall, bei dem immer noch ein paar alemannische Vokale schwer über die Zunge rollen. "Ich brauchte keine Corporate Jobs annehmen, nur weil die Maschine gefüttert werden musste. So konnte ich es vermeiden, für den Rest meines Lebens als Hure zu arbeiten."

Der Nachteil: Der Produktionsort war so bescheiden, dass man dort nicht einmal Kundenpräsentationen durchführen konnte, sondern in nahegelegene Konferenzräume ausweichen musste. Vor Kurzem ist aber seine Firma, die seit dem Einstieg einer jungen New Yorker Partnerin Sagmeister & Walsh heißt, an die neue Adresse 19th Street & Broadway umgezogen: "Auch kein Herzeigeding, aber ein normales Büro. Zumindest gibt es hier keine Ratten und Kakerlaken mehr", sagt der Wahl-New Yorker.