Am Anfang schufen sie Himmel und Erde. Die Erde war wüst und leer, und es war finster. In diese Finsternis brachten sie Licht. Aus Pixeln setzten sie Planeten zusammen, bauten Felsen und gruben Schluchten, sie ließen Gras und Bäume wachsen. Aus Polygonen schufen sie Kreaturen. Es waren mehrere Götter, die dieses Werk vollbrachten, einer von ihnen heißt Pete Parsons, und als Parsons seine neue Welt zum ersten Mal betrat, als er 48 Stunden lang gegen das Böse kämpfte und die Erde gegen die Dunkelheit verteidigte, als er erleben konnte, was er erschaffen hatte, sah er, dass es gut war. Wie gut es war.

Die Welt, um die es hier geht, heißt Destiny. Schicksal. Destiny ist ein Computerspiel, das man auf Playstation und Xbox spielen kann. Mehr als 20 Millionen Menschen tun das derzeit weltweit, obwohl die Standardedition 29,99 Euro kostet und sie für Erweiterungen extra bezahlen müssen.

Auf Destiny ist das Jahr 2700 angebrochen. Wie in den meisten Computerspielen wurde die Sache mit dem Paradies gleich übersprungen, und die Erde ist weitgehend zerstört. Die Eingangskulisse zeigt verrostete Autowracks und Industrieruinen mit kaputten Scheiben. Ein paar Bäume, die wirklich aussehen wie Bäume, biegen sich im Wind.

Aufgabe der Spieler ist es, gegen die Dunkelheit zu kämpfen. Dazu können sie die Gestalt eines Titans, eines Warlocks oder eines Jägers annehmen – Namen für Charaktere, die Kampfmaschinen sind und Zauberkräfte haben. Zur Verteidigung gibt es Automatikgewehre und Handfeuerwaffen, Schrotflinten und Raketenwerfer, die Monte Carlo, Hartes Licht oder Schmähung heißen.

Computerspiele waren mal umstritten – heute sind sie Teil der Popkultur

Destiny ist das teuerste Computerspiel, das je entwickelt wurde, Produktion und Marketing haben 500 Millionen US-Dollar gekostet. Als es am 9. September 2014 in den Handel kam, dauerte es nur einen Tag, bis die 500 Millionen US-Dollar wieder eingespielt waren. Binnen eines Tages wurde Destiny zum Welterfolg.

Entwickelt wurde das Computerspiel von einer amerikanischen Firma aus Bellevue bei Seattle namens Bungie, aber die Zentrale dieser Welterfolgsfirma erinnert nicht an die Paläste von Google oder Apple. Sie liegt in einem Einkaufszentrum. Mit der Rolltreppe geht es in den ersten Stock, vorbei an einer unscheinbaren Topfpflanze und durch eine ebenso unscheinbare silberne Aluminiumtür mit getöntem Glaseinsatz.

Dahinter tut sich eine fensterlose Halle mit schwarz angemalter Decke und dunklem Teppichboden auf, die Szenerie erinnert an die Kommandobrücke eines Science-Fiction-Films. Es gibt keine Einzelbüros, nicht einmal Trennwände. Dafür haben alle Schreibtische Rollen unter den Beinen, damit man sie unkompliziert hin- und herbewegen kann, eingefahrene Strukturen und starres Denken sollen sich die 500 Mitarbeiter gar nicht erst angewöhnen.

Früher waren in dieser Halle gepolsterte Sitzreihen montiert. Die Bungie-Zentrale war tatsächlich einmal ein Kino, und insofern könnte der Ort gar nicht symbolträchtiger sein. Computerspiele machen den Filmen aus Hollywood so ernsthaft Konkurrenz, dass manche sagen: Bungie ist das neue Hollywood.

Destiny war schließlich teurer als der bislang teuerste Hollywoodfilm (Fluch der Karibik 3 mit Johnny Depp). Dessen Kosten lagen bei rund 350 Millionen Dollar, und er brauchte doppelt so lange wie Destiny, um das Geld einzuspielen, also 48 Stunden.

Andere Welterfolge der Computerspielindustrie – World of Warcraft, Call of Duty und Grand Theft Auto – mögen Außenstehenden wenig sagen, aber es sind Parallelwelten, in denen Menschen nicht nur für ein paar Stunden verschwinden wie früher im Kino, sondern für ganze Tage, und bei denen sie nicht nur zuschauen, sondern in denen sie selbst Rollen übernehmen. Allein in Deutschland spielen mehr als 30 Millionen Menschen zumindest gelegentlich Computerspiele. Vor wenigen Jahren waren solche Spiele noch umstritten, heute sind sie Teil der Popkultur. Sie sind ein Kulturgut.