DIE ZEIT: Herr Bruns, Sie sind Prokurist einer Containerfirma. Ihre Branche hat gerade nicht den besten Ruf. Manche Anbieter sollen die steigende Zahl der Flüchtlinge ausgenutzt und ihre Preise vervierfacht haben. Finden Sie das angemessen?

Raphael Bruns: So einen Anstieg kann ich nicht nachvollziehen, auch wenn viele Zulieferer ihre Preise angezogen haben. Nach meinen Erfahrungen, auch aus öffentlichen Ausschreibungen, gibt es in der Regel immer noch einen Wettbewerb im normalen Preissegment. Aber natürlich richtet sich der Preis immer auch nach Angebot und Nachfrage, und die Nachfrage ist gerade hoch.

ZEIT: Wie hoch denn?

Bruns: Sie ist sprunghaft gestiegen, innerhalb eines Jahres hat sich der Markt für Modulgebäude und Containeranlagen quasi verdoppelt. Jedes zweite Projekt ist eine Flüchtlingsunterkunft. Mittlerweile ist es so, dass Gebäude, die heute angefragt werden, am besten schon morgen fertig sein müssten.

ZEIT: Was bedeutet das für Ihren Betrieb?

Bruns: Wir können mit der Nachfrage nicht immer mithalten und versuchen, so gut es geht, nachzujustieren: Wir haben mehr Leute eingestellt, insgesamt 22, vom Architekten bis zum Monteur. Wir arbeiten jetzt teilweise auch samstags und in mehreren Schichten. Und wir erweitern gerade unsere Montagehalle.

ZEIT: Werden durch all diese Maßnahmen die Container automatisch teurer?

Bruns: Ich denke nicht. Die meisten Projekte sind Komplettangebote, bei denen wir weit mehr als die bloßen Gebäude liefern: Wir roden das Gelände, legen Fundamente, Wasser- und Stromleitungen. In einzelnen Fällen übernehmen wir sogar die Baugenehmigungsplanung, wofür normalerweise die Kommune zuständig wäre. Parallel fertigen wir dann die Module oder Container. Wenn die stehen, kümmern wir uns um die Ausstattung, um Zaunanlagen, Spielplätze, Rampen, Zuwege. Wenn man die Gesamtkosten dann auf einen Container herunterbricht, ist der Preis natürlich höher als bei einem reinen Standardcontainer.

ZEIT: Was wäre denn ein normaler Preis für einen Standardcontainer?

Bruns: Ich würde sagen, ein Container, der sehr einfach daherkommt, kostet pro Quadratmeter so um die 1.100 Euro brutto. Modulbausysteme sind etwas teurer, so um die 1.500 Euro brutto, dafür aber auch individuell geplant und angefertigt.