Als ob das lange Warten am Laufband der Gepäckausgabe nicht genug wäre: Sind die drei Urlaubskoffer dann endlich erschienen und will man sich entnervt einen Gepäckwagen nehmen, um sie nicht zum Taxi schleppen zu müssen – braucht man Geld. Einen Euro oder 50 Cent.

Dumm, wenn man das nicht in der Tasche hat, weil man in Palma de Mallorca die letzten Münzen für ein "Ballermann!"-T-Shirt und einen Strohhut zusammengekratzt hat, um bei den Zurückgebliebenen Neid zu erregen. Jetzt, um eine Münze bettelnd, erregt man höchstens Mitleid. Ist das nicht unwürdig, auch für den "International Airport Hamburg"? Kann man hier – Weltläufigkeit! – nicht Gepäckwagen ohne Münzfach anschaffen?

Die gab es schon mal. Früher. Der Effekt allerdings, sagt Flughafensprecherin Stefanie Harder, sei Chaos gewesen: "Die nicht mehr benötigten Wagen standen überall kreuz und quer herum, auch vor Fluchtwegen."

Lag das vielleicht daran, dass sich der Flughafen Leute sparte, die die Wagen einsammelten? Oh nein, sagt Stefanie Harder, diese Leute benötige man noch heute: Etwa 20 Prozent der Reisenden komme es nach einem womöglich teuren Flug nicht mehr auf den einen Euro an. Statt den Wagen zurückzubringen, versetzen sie ihm am Taxi einen Stoß in Richtung Raucherzone und würdigen ihn keines Blickes mehr.

Doch das große Chaos, also die Unpassierbarkeit des Airports, ausgenommen für kletterbegabte Zehnkämpfer, bleibe seither aus.

Aber da ist noch ein Phänomen, ein viel erstaunlicheres: Früher, in pfandlosen Zeiten, verschwanden mehr Gepäckwagen. Also nicht in einer Ecke, sondern endgültig. Wohin eigentlich? In Kofferräume, zu einem Altmetallhändler, in die Wohnungen von Vielfliegern, die ohne die gewohnten Wägelchen einfach nicht mehr einschlafen konnten? Man weiß es nicht.

Seit der Einführung des Pfandes, sagt Stefanie Harder, müsse man weniger Gepäckwagen nachkaufen. Kaum zu glauben, dass jemanden ein Euro Pfand von der Entführung eines Wagens abhält, der mehr als 100 Euro kostet. Stimmt das Gerücht doch, dass Hamburger nicht rechnen können? Oder existiert am Flughafen eine Art Mafia, die so scharf auf die Pfandmünze ist, dass sie jeden, der sich samt Wagen vom Flughafen entfernt, sofort enteignet? Auch das wissen wir nicht.

Wir wissen nur, dass man beispielsweise in München beim Ankommen den Wagen fürs Gepäck kostenlos bekommt und der Flughafen trotzdem noch zu funktionieren scheint.

Aber dort muss man ja gefühlt auch nicht so lange am Gepäckband warten.