September 1983, Pinneberg

Als Lienau aus Kanada zurückkommt, erfährt er, dass Diskothek-Besitzer Harald Behnke (damals 42 Jahre alt, Name geändert) nach dem Brand im Jingle Geldgeber sucht. Lienau beteiligt sich mit 200.000 Mark an der Disco.

Januar 1984, Kanada

Lienau schließt mehrere Verträge ab, die seine Lotto-Million verschleiern sollen, mietet Schließfächer. Und er legt Geld auf den Namen von Diskothek-Besitzer Harald Behnke an. Seine Frau reicht die Scheidung ein.

15. Februar 1984, Pinneberg, Wedeler Weg 78, Diskothek Jingle

An diesem Tag sehe ich "Charlie", so wird Lienau in der Disco genannt, zum ersten und letzten Mal. Ein charismatischer Mann, schick gekleidet, mit Krawatte, kariertem Sakko. Ein Sonnyboy mit goldenem Feuerzeug, Goldringen, goldener Uhr und dunklen Locken. Er hat zur inoffiziellen Wiedereröffnung des Jingle nach dem Brand eingeladen. Ich bin als Reporter für das Hamburger Abendblatt dort, mache Fotos. Es gibt Champagner.

An der Bar sitzt ein halbes Dutzend attraktiver, junger Frauen. Darunter Maren B., 24 Jahre alt, eine blonde Arzthelferin, Ex-Verlobte von Kompagnon Harald Behnke. Sie ist nun die Freundin von Lienau, der vor der geladenen Presse verkündet, im Obergeschoss zwei Whirlpools einbauen zu wollen. Ein Bordell? Charlie lächelt nur.

Das Jingle ist ein schmuckloses, zweistöckiges Haus mit einem kitschigen, grünen Plastik-Baldachin über dem Eingang. Im Erdgeschoss gibt es eine kleine Tanzfläche, eine lange Bar, einen Kamin. Schummerige Beleuchtung, Mahagoni, Messing an den Tischleuchten und die kitschige Gipsfigur einer Leichtbekleideten am Tresen. Ein Drink kostete 13 Mark.

Im ersten Obergeschoss liegen drei Schlafzimmer, zwei Bäder, eine Küche und ein Wohnzimmer. Unter dem Dach weitere Zimmer und ein Matratzenlager. Lienau und Harald Behnke wohnen auch in dem Haus, Lienau inoffiziell. Harald Behnke bestreitet damals, dass Frauen mit Gästen nach oben gehen.

Die Kreisstadt Pinneberg will keine Bordelle im Stadtgebiet, und einige Pinneberger behaupten immer noch, im Jingle nur eine Disco gesehen zu haben. Die Raumpflegerin Angela D. machte nur unten sauber. "Oben putzen die Chefs selber", sagt sie später der Polizei.

25. März 1984, Spielbank Hamburg

Das Kasino registriert Lienaus Besuch. Auch im April ist er dort. Auf St. Pauli kauft er im Frühjahr 1984 einen falschen Führerschein.

15. Mai 1984, Pinneberg, Büro eines Notars

Der Disco-Besitzer Harald Behnke gibt eine geheime Erklärung ab. Mit einer Reihe komplizierter Verträge soll verhindert werden, dass seine Noch-Frau, die zu diesem Zeitpunkt als Köchin in Hamburg arbeitet, an die 200 000 Mark kommt, mit denen Lienau sich ins Jingle eingekauft hat.

19. Mai 1984, Pinneberg

Lienau fährt mit seiner Freundin Maren B. nach Ibiza. Er schenkt ihr Schmuck, redet auf Ibiza "nur beiläufig über den Lottogewinn", wie Maren B. bei einer Vernehmung später angeben wird.

30. Mai 1984, Grenzübergang Chalampé-Neuenburg

Bei der Rückreise über Frankreich nimmt Lienau den wenig genutzten Grenzübergang in Neuenburg am Rhein. Er fährt ein Auto, das Harald Behnke gehört. An der Grenze wird der gefälschte Führerschein entdeckt. Die Fingerabdrücke von Karl-Hinrich Lienau werden im Bundeskriminalamt registriert. Über sie wird der Tote aus dem Fass ein halbes Jahr später identifiziert werden.

Karl-Hinrich Lienau reist ohne Führerschein und mit Maren B. weiter nach Würzburg ins Sauna-Paradies, ein Bordell. Zwei Tage, bis Anfang Juni, bleiben die beiden in Würzburg, treffen auch Eddi wieder, der im Würzburg der achtziger Jahre zu den führenden Rotlichtgrößen zählt. Eddi wird später auch Lienau in Pinneberg besuchen.