Unsere Bild-Kollegen schreiben hart. Auch sie haben ein Recht auf Anerkennung. Doch der knapp 30-zeilige Empörungskommentar des stellvertretenden Chefredakteurs Bela Anda über Innenminister Thomas de Maizière war würdelos.

Einen erschöpften Minister niedermachend, sitzt Anda am Bild-Balken, während zeitgleich de Maizière auf Mallorca versucht, einen Cappuccino zu schlürfen. Dessen Bestellung Anda exakt jenen feuchten Kehricht angeht, den er von sich gibt.

Tausende Bild-Mitarbeiter arbeiten Tag für Tag, um das Blatt zu füllen. Viele von ihnen sind frustriert. Sie hätten auch gern mal einen Kommentarplatz. Und ein paar Unverschämtheiten frei.

Doch sie knechten weiter, weil ihnen ihre Aufgabe wichtig ist. Anders als Anda.

Dass Gerhard Schröders Regierungssprecher sein Wissen um die Dauerbelastung von Spitzenpolitikern unterbricht, um den Christdemokraten de Maizière sonnenbankgebräunt eben mal von Berlin aus den Marsch zu blasen und ihn auffordert, in seine cappuccinoimitierende Heimat zu kommen, ist dabei eine besondere Geschmacklosigkeit. Die bitterer aufstößt als Filterkaffee.