Wie viele Kånken die Schweden pro Jahr verkaufen, geben sie nicht preis. Schätzungen zufolge müssen es etwa 300.000 sein. 60 Prozent davon gehen allein nach Norddeutschland. Betrachtet man Hamburg gesondert, werden hier 20 Prozent aller Kånken verkauft. Ein Teil der hohen Absatzzahlen im Norden erklärt sich dadurch, dass große Händler wie Globetrotter, Gebr. Heinemann und Görtz hier ihren Sitz haben und die schwedischen Produkte von Hamburg aus deutschlandweit verkaufen.

Und dann ist da ja noch die Skandinavien-Affinität der Norddeutschen. "Das Design und die Marke sind den Leuten im Norden einfach näher als den Bayern oder den Leuten in Rheinland-Pfalz", sagt Outdoorhändler Klee. "Im Süden kaufen die Leute eher italienische Marken. Aber Hamburger stehen nun mal auf Skandinavisches."

Klee erklärt sich die Lust am Kastenrucksack mit der Biografie der Trägerinnen. Junge Mütter, die bis zum ersten Kind mit hohen Absätzen und Handtasche herumlaufen, brauchen als Babyschleppdienst etwas Praktischeres. "Die gucken sich dann ab, wie andere es machen", sagt Klee. Mit einem Kånken hat die Schanzenmama eine pragmatische Lösung, ist aber noch auf der Höhe der Zeit.

Selbst in Mütterblogs ist der Kånken ein Thema. "Eigentlich wollte ich mich diesem Fjällräven-Hype ja entziehen, doch als ich noch in der Schwangerschaft auf der Suche nach einer geeigneten Wickeltasche war, da kam ich einfach nicht um einen Kauf herum. Warum? Er ist einfach die ideale Wickeltasche für das Supergirl!", schreibt passend dazu Camilla im Mummy Mag, ihrem "Mother’s and Children’s Lifestyle Blog".

Bei Little Years, einem ähnlich ausgerichteten Blog, wurde der Rucksack als "Mama-Kennzeichen" bezeichnet. "Kånken-Träger lieben den Easy-Schick, sie sind praktische Menschen, die aber sehr auf ihr Äußeres achten. Kånken-Mamas tragen Acne und Filippa K, sie fahren Rad und krempeln lässig die Ärmel hoch." So steht es dort wirklich.

Dabei hatte Fjällräven ursprünglich weder junge Mütter noch hippes Metropolenvolk als Zielgruppe im Sinn. Der Kånken kam eigentlich als rückenschonender Schulranzen für schwedische Kinder auf den Markt. Und zwar schon vor fast 40 Jahren. Das Design ist das Gleiche geblieben, nur neue Farben kommen ständig hinzu. Und er wird stetig teurer: Inzwischen zahlt man knapp 80 Euro. Vor wenigen Jahren hat er noch die Hälfte gekostet.

Für manche Farben führt Tom Klee Wartelisten bis weit ins nächste Jahr. Die Knappheit helfe, den Hype aufrechtzuerhalten, sagt er. Vielleicht halte er auch deshalb schon viel länger an als andere Trends. Vor einigen Jahren musste es bei vielen ein Rucksack der Marke Eastpak sein. Aber als der auch bei Discountern im Regal stand, wurde er schnell uncool.

Manche Hamburger nervt der Kånken bereits: Einige Händler nehmen ihn schon nicht mehr ins Programm, weil er zu Mainstream geworden ist. Immer öfter ist jetzt auch Konkurrent Herrschel in den Geschäften zu sehen. Der kann auch noch liefern.