Wie viele Mädchen zu ihrer Zeit wurde auch sie früh ins Kloster gesteckt. Nun war sie versorgt, und ihre Familie sparte Aussteuer und Mitgift. Als sie mit 19 Jahren den Schleier nahm, hatte sie Lesen und Schreiben, ein wenig Latein und Landwirtschaft gelernt.

Die harte Kritik eines Theologen am Mönchsgelübde bestärkte sie in ihrer Absicht zu fliehen. Hinter leeren Heringsfässern versteckt, entkam sie mit acht Nonnen in eine sichere Stadt. Während ihre Mitschwestern eine nach der anderen verheiratet wurden, scheiterte ihre erste Liebschaft. Die Mittzwanzigerin, nicht gerade eine Schönheit, fand schließlich ihren Ehemann in dem Theologen, der die Klosterflüchtigen unterstützt hatte. Zwar fühlte er für sie keine "hitzige Liebe oder Leidenschaft", doch allmählich waren sich die beiden so herzlich zugetan, dass er sie "nicht um Frankreich und Venedig dazu hergeben" wollte. Auch wenn ihm ihre Redesucht auf die Nerven ging, er pries ihre Tatkraft als umsichtige Managerin eines Haushalts, in dem sich oft 40 Personen um den Tisch versammelten. Im Untergeschoss des Hauses richtete sie einen Schweinestall ein, legte Gemüse-, Obst- und Kräutergärten an und braute Bier mit eigenem Hopfen.

Nach dem Tod des Gatten kämpfte sie mutig um ihr Erbe und die Zukunft ihrer vier Kinder, bis ein Machtwort den Streit um sein Testament entschied. Missernten, Krieg und die Pest trieben sie aus der Stadt. Auf der Fahrt zu einem Zufluchtsort erlitt sie einen Unfall, an dessen Folgen sie starb. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 44:

Edgar Selge, geb. 1948 in Brilon, ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler. Bis 1991 im Ensemble der Münchner Kammerspiele, war er ab den Neunzigern häufiger im TV zu sehen. 1998 bis 2009 spielte er den Kommissar Tauber im "Polizeiruf 110"