In Frankfurt an der Oder laden sie zum Dosenwerfen, Motto: "Und raus bist du." An der Humboldt-Universität veranstaltet die Betriebsgruppe Teach-ins, und an der Uni Kiel drehen sie das Glücksrad: Am Montag hat sie begonnen, die lange angekündigte Aktionswoche der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). An deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen protestieren Mitarbeiter gegen die Befristungspolitik. Anlass ist die erste Lesung eines Gesetzentwurfes im Bundestag, der eindämmen soll, dass zum Teil über 90 Prozent der Wissenschaftler Zeitverträge haben. Der GEW und der Mehrheit der Bundesländer gehen die Vorschläge der Bundesregierung nicht weit genug.

Doch nun taucht Kritik aus einer anderen Ecke auf: Baden-Württembergs grüne Wissenschaftsministerin Theresia Bauer warnt: Die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes könnte zu neuer Arbeitslosigkeit führen. Woran Bauer sich stört: Das nicht wissenschaftliche Personal soll von dem Gesetz, das eine besonders lange Befristungspraxis ermöglicht, ausgenommen werden. Bauer nennt etwa eine archäologische Grabungstechnikerin, die Messgeräte einstellt. Aber auch IT-Experten und Wissenschaftsmanager seien betroffen. Anstatt sie wie bisher von Vertrag zu Vertrag und Drittmittelprojekt zu Drittmittelprojekt verlängern zu können, müsse eine Hochschule künftig schon nach zwei Jahren entscheiden: dauerhaft einstellen oder "rauswerfen und jemanden Neues suchen". Mit fatalen Konsequenzen, befürchtet Bauer: "Die Option Dauerbeschäftigung ist bei diesem hochspezialisierten Personal nur eine scheinbare", keine Hochschule könne unbegrenzt ins Risiko gehen. Die Folge: Kündigungen im großen Stil.

Die Warnung der grünen Ministerin ist in zweifacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen weicht sie deutlich von der Linie des rot-grünen Lagers ab; zum anderen greift sie eine Kritik auf, die vor Monaten bereits die Allianz der Wissenschaftsorganisationen in einem Brief an Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) formuliert hatte. Damals hatte die Politik sie ignoriert. Womöglich zu Unrecht?

Der stellvertretende GEW-Vorsitzende Andreas Keller widerspricht. Gerade in Technik und Verwaltung sei die Wissenschaft auf Kontinuität und Qualität angewiesen. "Erfahrungswissen sammeln und Netzwerke aufbauen – das funktioniert nicht mit dem hire and fire-Prinzip." Außerdem solle doch eine Wissenschaftseinrichtung, die heute Drittmittel einwirbt, zuversichtlich davon ausgehen, auch übermorgen Drittmittel einwerben zu können. Theresia Bauer hält solche Sätze für Wunschdenken. Sie fordert Nachbesserungen am Gesetz in letzter Minute, denn so positiv die Absichten hinter dem Entwurf auch seien: "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint."