Die Frau, ohne die in der Deutschen Bank nichts läuft, fiel kaum auf. Schwarzes Jackett, Halstuch, die blonde Lockenmähne nach hinten gebunden, so saß sie in der ersten Reihe, als Vorstandschef John Cryan vor Analysten in London erklärte, wie er das von Skandalen, Strafen und Verlusten erschütterte Haus sanieren will. Plötzlich aber warf der Brite ihr einen Blick zu, sprach sie an – und machte klar, dass der neue starke Mann der größten deutschen Bank auf eine neue starke Frau angewiesen ist.

"Wir sind abhängig von Kim", sagte er. Sie müsse zunächst eine Reihe technologischer Probleme in den Griff kriegen, "bevor wir das leisten können, was von uns verlangt wird". Cryan redete über einen Stresstest in den USA, den die Bank im April 2017 überstehen müsse. Im Grunde aber redete er über das gesamte Institut.

Das Bild, das John Cryan Ende Oktober von der Deutschen Bank malte, war düster. Er sprach leise, doch dadurch hallten seine Worte über die Informationstechnik des Hauses nur umso lauter nach. "Lausig" seien die Systeme, "schwerfällig", "schlicht inkompatibel", ja "antiquiert", sagte er. Mehr als jeder dritte Computer oder Server befände sich am Ende seines Lebenszyklus oder sei sogar über dieses hinaus. Zudem habe das Haus zu vieles "aggressiv" ausgelagert. Er wolle das Know-how zurückholen und massiv investieren, sagte Cryan. So drastisch fiel seine Zustandsbeschreibung aus, dass man sich fast wunderte, dass der Automat in der Filiale noch Geld ausspuckt.

Es ist an "Kim", die Wünsche des Chefs in die Tat umzusetzen: Kim Hammonds, 48 Jahre alt, Amerikanerin. Als Chief Operating Officer soll sie 2016 in den Vorstand aufrücken. Als Frau, die, auf Deutsch gesagt, den Laden am Laufen hält. Ein paar Wochen noch führt Henry Ritchotte diesen Titel, doch schon heute ist klar, wer das Sagen hat. Und damit das Kommando über 50.000 Beschäftigte innerhalb und außerhalb der Bank. Nach dem Stellenabbau, den die Deutsche Bank verkündet hat, könnte Hammonds Mannschaft bald die Hälfte aller Menschen stellen, die für das Haus arbeiten.

Bereits in die oberste Führungsetage aufgerückt ist Sylvie Matherat. Seit dem 1. November sitzt die Französin im Vorstand, zuständig für Regulierungsfragen, die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben – genannt Compliance – und den Kampf gegen Finanzkriminalität. Mehr als zehn Milliarden Euro hat die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren für Strafen und Vergleiche hinlegen müssen, ausgelöst durch massive Verfehlungen. Der Ruf des Instituts ist zerstört, die Stimmung vieler Mitarbeiter am Boden. So kann, so darf es nicht weitergehen.

Mit der Ernennung Hammonds und Matherats enden nicht nur zwei Dekaden, in denen allein Männer an der Spitze der Deutschen Bank standen. Mit ihnen übernehmen Frauen auch zwei Ressorts, die für das Überleben des Frankfurter Instituts entscheidend sind. Vor allem von ihnen hängt es ab, ob das Haus eine Zukunft und dann auch wieder einen guten Namen hat.

Gewiss, der Chef John Cryan ist ein Mann. Und die vier Sparten, mit denen die Bank ihren Umsatz und – zumindest in der Theorie – ihren Gewinn erzielt, werden auch in Zukunft von Anzugträgern geführt: Privatkundschaft, Vermögensverwaltung, Investmentbanking und Handel. Nur haben die Herren ein Problem: Die Euro, die sie stolz vorn am Schalter verdienen, werden in den Hinterzimmern gleich bündelweise aus dem Fenster geschaufelt. Von der Rechtsabteilung, die in aller Welt für Vergehen der Vergangenheit Geld hinlegen muss, und von der Technik, die zu teuer ist und zu ineffizienten Arbeitsprozessen führt. Der Blick der Bank führt daher gerade weg von ihrer glitzernden Oberfläche und richtet sich aufs chaotische, dreckige Innere. Den beiden Frauen fällt es zu, dafür zu sorgen, dass künftige Geschäfte sauber und glatt über die Bühne gehen.