Sein Startkapital erhielt Donald Trump vom Vater. Er betont, dass der ihm anfangs "nur eine Million" gegeben habe. Wichtiger als das Geld waren die Lehren, die der Alte seinem Sohn mitgab – und das Gespür dafür, was die Landsleute haben wollen.

Die Erfolgsgeschichte der Trumps begann mit dem Großvater, einem Deutschen. 1885 wanderte Friedrich Drumpf aus dem pfälzischen Kallstadt nach Amerika aus. Während des Goldrausches zog er nach Alaska, nicht, um nach Gold zu schürfen, sondern, um den Goldsuchern etwas zu bieten, das ihnen die Nuggets aus den Taschen ziehen würde: Essen, Trinken, Frauen. Das Etablissement sei das beste der Stadt, schrieb ein Leser damals der örtlichen Zeitung, aber ehrbaren Damen sei von der Übernachtung abzuraten. Als der Goldrausch verflog, war Trump, der seinen Namen amerikanisiert hatte, längst weitergezogen. Bevor er aber in New York richtig Fuß fassen konnte, starb er 1918 an der Spanischen Grippe.

Sein Sohn Fred Christ Trump war 15 Jahre alt, als er ins Baugeschäft einstieg. Die Mutter Elisabeth zeichnete die Schecks für den Minderjährigen. Er war zu jung, um sich für den Bau von Häusern zu bewerben, aber er fand einen neuen Markt und spezialisierte sich in der beginnenden Motorisierung auf Garagen. Während der Großen Depression baute er als einer der Ersten in Brooklyn Supermärkte.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg heimkehrende Kriegsveteranen eine Bleibe suchten und eine wachsende Mittelschicht moderne bezahlbare Wohnungen nachfragte, begann sich Fred Christ Trump im Wohnungsbau zu engagieren. Dafür gab es öffentliche Zuschüsse und politische Unterstützung. Um die Flächen für die großen Wohnprojekte in den Städten zu gewinnen, wurden die Besitzer enteignet. Die Grundstücke gingen an Bauunternehmer wie Trump.

In den sechziger Jahren baute Vater Trump das Trump Village in Brooklyn. Es ist ein verklinkerter Wohnblock mit 23 Stockwerken. 1672 Wohnungen sind hier über- und nebeneinandergestapelt. Vor dem Gebäude sitzen zwei Rentner auf einer Bank. "Donalds Vater hat die Anlage gebaut", sagt Boris Linetski, der mit seinem Nachbarn die Herbstsonne genießt. Er lebt seit 39 Jahren hier und hat den Alten noch in guter Erinnerung. Damals war Trump Village eine begehrte Adresse, hier wohnten Buchhalter, Lehrer, Handwerker und Krankenschwestern.

Mit einem Luxushotel trug Donald Trump zum Wiederaufstieg New Yorks bei

Fred Trump fuhr einen marineblauen Cadillac, den er alle drei Jahre durch ein neues Modell ersetzte. Ansonsten war er sparsam. Bei seinem Tod 1999 hinterließ er seinem Sohn Donald und dessen drei Geschwistern 250 Millionen Dollar.

Auch Donald Trump hatte mit Wohnblocks in den Außenbezirken angefangen, dann entdeckte er das Zentrum für sich. Die Achtziger waren dunkle Zeiten in New York. Die City drohte in einer Spirale aus Schulden, Verelendung und Stadtflucht zu versinken. Trump bot an, das heruntergekommene Commodore Hotel am Grand-Central-Bahnhof, einer zentralen Stelle in Manhattan, zu übernehmen. Ein riskanter Deal – sogar das Chrysler Building gegenüber war bereits pleite. Doch Trump begeisterte Investoren, die Hyatt-Hotelkette und die Stadtväter mit seinem Plan, den maroden Kasten in ein Luxushotel zu verwandeln, mit Springbrunnen und Glasfassade. Die Stadt ließ sich darauf ein, 40 Jahre lang auf Steuern zu verzichten. Der damalige Bürgermeister Ed Koch sagte später, dass Trumps Grand Hyatt maßgeblich an der Renaissance New Yorks beteiligt gewesen sei.

Der Erfolg verführte Trump dazu, ins Casino-Geschäft im Ostküsten-Spielerparadies Atlantic City einzusteigen. Dass er dabei die heraufziehende Rezession ignorierte, hätte ihn beinahe ruiniert. Das Trump Taj Mahal, für eine Milliarde Dollar erstellt, ging 1991 pleite, ein Jahr nach der Eröffnung, bei der Michael Jackson aufgetreten war. Vier Trump-Firmen meldeten Insolvenz an. Er selbst schaffte es, den Offenbarungseid zu vermeiden.

Trump besann sich auf seine wahre Stärke – die Stärke seiner Marke. "Statt eigenes Geld zu riskieren, verkauft er die Namensrechte an andere", sagt Tom Schachtman, der ein Buch über New Yorks Immobilienfürsten geschrieben hat. Trumps Name erleichtere weniger bekannten Bauherren die Vermarktung ihrer Objekte. Die Bau-Clans New Yorks, die Dursts, die Tishmans, die LeFraks, zählen Trump heute nicht mehr zu ihrer Branche. Während sich diese Familien mit Vorschriften und teurem Baugrund herumschlagen, hat er sich seinen Claim im digitalen Goldrausch gesichert. Er ist auf Twitter, Facebook, YouTube, Foursquare, Instagram, Pinterest und Tumblr präsent und steigert so seinen Marktwert.

Als Kandidat verspricht Trump, was viele konservative Wähler der weißen Mittelschicht sich wünschen. Sie kämpfen mit schrumpfenden Einkommen und trüben Aussichten. Sie fürchten, von Einwanderern überholt zu werden. Trump hat sich zu ihrem Sprachrohr gemacht. In seinem Buch schreibt er, dass er den Zuhörern liefere, was sie hören wollten. Wegen seiner rassistischen und frauenfeindlichen Äußerungen hat Trump lukrative Partnerschaften eingebüßt. CNBC feuerte ihn bei Apprentice, die Kaufhauskette Macy’s will sein Modelabel nicht weiter führen. Dafür ist Trump der größte Triumph in seiner Karriere als virtueller Tycoon nicht mehr zu nehmen. Er hat seinen Namen mit der mächtigsten Marke der Welt verbunden – der des Präsidenten der Vereinigten Staaten.