Als die weißen Männer kamen, als sie ihre kleinen Apparate auspackten, um die Sitten und Gebräuche im fernen Afrika zu fotografieren, da war das vielen Dorfbewohnern höchst unheimlich. Sie wollten nicht festgehalten, nicht abgelichtet werden. Wollten nicht, dass ein Fremder über ihr Bild verfügt – und damit über sie selbst. Die Kamera schien eine Falle, wer da hineingeriet, verlor seine Freiheit.
Im globalen Dorf von heute wirken solche Ängste bestenfalls verschroben. Vielen Menschen ist die Kamera zum dritten Auge geworden, immerzu schlagen sie es auf, denn mit diesem Auge zu sehen heißt zugleich: gesehen zu werden. Sie fotografieren, was ihnen gerade unterkommt, oft ist es das eigene Gesicht. Und im selben Moment präsentieren sie die Bilder auf den digitalen Bühnen der Welt, veröffentlichen, was eben noch privat schien, auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest. Darin liegt die Verheißung der digitalen Fotografie: Sie multipliziert den Augenblick, sie überwindet den Ort, macht aus dem Hier und Jetzt ein Überall und Immerzu.