Noch sind einige Arbeitsabläufe in der Behörde katastrophal und wenig effizient. Nach wie vor müssen BAMF-Mitarbeiter jeden Bescheid für Flüchtlinge stempeln, versiegeln und mit der Post versenden. Geht Post an Flüchtlinge, die in Lagern leben, stehen auf den Umschlägen Adressen wie "Zeltstraße 5, Zelt 47". In manchen Fällen haben sie keine Adresse, um einen Bescheid zuzustellen. Dann gelten Anträge auch nicht als bewilligt. Bei den Anhörungen der Flüchtlinge machen die BAMF-Mitarbeiter meist handschriftliche Notizen, die ebenfalls mit der Hand in den Akten abgeheftet und später von Kollegen interpretiert werden müssen. Und überhaupt, die Akten: Jede einzelne müssen die Mitarbeiter kopieren, weil sie je ein Exemplar an die Kommune und das zuständige Gericht zu schicken haben.

Seit dieser Woche gibt es immerhin einen Prototyp für einen neuen Flüchtlingsausweis aus Plastik. Er soll Neuankommenden bei der ersten Registrierung übergeben werden. Wer ihn hat, kann damit Unterstützung vom Staat beziehen. Außerdem soll er den Datenaustausch der Behörden erleichtern. Bisher müssen einige Flüchtlinge ihre Personalien an fünf unterschiedlichen Stellen abgeben. Besonders absurd sind die Erwartungen an die Bundespolizei, die nach wie vor gegen jeden Flüchtling, der die Grenze übertritt, ein Ermittlungsverfahren einleiten muss. Auch dafür werden Daten erhoben und Fingerabdrücke genommen. Die Akten bekommt die zuständige Staatsanwaltschaft, die diese Verfahren in den meisten Fällen sofort einstellt.

Der neue BAMF-Chef ist ein reicher Mann, wegen des Geldes tut er sich den Job nicht an

In der Bundesagentur für Arbeit werden Daten für Arbeitslose seit Längerem nur digital verarbeitet. Deshalb waren einige Mitarbeiter schockiert, als sie erfuhren, dass beim BAMF die unbearbeiteten Flüchtlingsakten mittlerweile ganze Räume füllen. Weise konnte sich von vielen Missständen schon ein Bild machen, als bereits unter dem vorherigen BAMF-Chef Manfred Schmidt ein gemeinsamer Arbeitsstab beider Behörden eingeführt wurde. "Damals haben wir gemerkt: Oh, die sind in vielem ganz anders als wir", sagt Weise. Dann trat Schmidt zurück, Weise machte Vorschläge für Nachfolger. Die gute Zusammenarbeit mit dem BAMF war ihm auch deshalb wichtig, weil er sah, dass die Arbeitsagentur und die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Land extrem von der Effizienz der Flüchtlingsverwaltung abhängt. Die Bundeskanzlerin und ihr Flüchtlingskoordinator und Kanzleramtschef Peter Altmaier luden Weise nach Berlin und baten ihn schließlich, beide Behörden gleichzeitig und in Personalunion zu leiten. Seitdem verfolgt er neben der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ein weiteres Ziel: die Asylverfahren zu beschleunigen, sodass die durchschnittliche Bearbeitungszeit unter drei Monate sinkt.

Nachdem Weise am Montag an diesem Ziel gearbeitet hat, sitzt er auf dem Weg nach Berlin im Fonds des Dienstwagens, er hat seine Schuhe ausgezogen, dicke Socken übergestreift und beißt in eine Brezel, die er noch von einem abgedeckten Buffet stibitzt hat. Die Fragen sind: Hat er nicht die Sorge, das alles nicht zu schaffen? Warum tut er sich das an? Geld kann es nicht sein. Erstens ist der BAMF-Job ein Ehrenamt ohne Vergütung. Zweitens hat Weise ausgesorgt, seit er zu Beginn seiner Karriere mit Freunden ein Logistikunternehmen gründete und seine Anteile daran für einen zweistelligen Millionenbetrag verkaufte. Er muss nichts verdienen und wenig beweisen, das scheint zu helfen. Weise beißt in seine Brezel und sagt: "Wissen Sie, wenn so viele andere nervös sind, kann ich doch nicht auch noch unruhig werden."