Zu Beginn eine schöne Wurst, aus Solidarität. Sie hat ja schon immer Spott abbekommen, als leicht konsumierbare Verfremdung von Fleisch, die es aber nie zu einer angemessen abstrakten Form gebracht hat wie etwa die Frikadelle, sondern in ihrer grotesken Zipfeligkeit daran erinnert, dass sie mal Teil eines Lebewesens war. Kein Wunder, dass sich niemand zu ihrer Verteidigung aufschwang, als sie kürzlich vom Lebensmittel zum Krankmacher erklärt wurde.

Gegessen wird sie weiterhin. Davon kann man sich überzeugen, wenn man sich bei den Curry Pirates in die Schlange stellt. Der Barmbeker Imbiss eröffnete zur gleichen Zeit wie die inzwischen geschlossene Eppendorfer Curry Queen mit einer ähnlichen, seitdem oft kopierten Idee: den deutschen Beitrag zum Fast Food in Gourmetqualität anzubieten. Anders als die früheren Konkurrenten kommen Michael Weißenbruch und Monika Hamann nicht aus der Medienbranche. Ihr Souterrainlokal hat nichts Stylishes. Auch die Kundenansprache auf den Werbekarten ist etwas rustikaler: "Fuck your diet." Die gute Nachricht: Die beiden führten früher ein Gourmetrestaurant. Darum ist hier fast alles hausgemacht, angefangen mit dem Wichtigsten: der Wurst.

In die Currywurst zum Beispiel sind kleine Stücke von Trockenaprikose eingearbeitet.Klingt überkandidelt, aber man staunt, wie gut dieses Aroma die Fruchtigkeit der Tomatensoße verstärkt. Gemeinsam mit der Gewürzmischung gibt sie dem pseudoexotischen Imbiss einen orientalischen Einschlag. "Entsprach es deiner Vorstellung?", fragt der Chef in seiner edel-schnoddrigen Tonart, die gut zum Essen passt.

Der Name des Lokals führt übrigens in die Irre. Die konsequent gemüsefreie Karte verzeichnet nur diesen einen Posten mit Curry, dafür etliche andere Würste. Dabei ist immer eine Kreation der Woche, deren Rezept anschließend auf der Wall of Fame neben der Theke verzeichnet wird. Dort prangen schon über hundert vertrauenerweckende Namen wie Big Willy oder Soylent Green.

Nur auf Vorbestellung kriegt man die angeblich "teuerste Bratwurst Deutschlands". Sie liegt hübsch auf einem Portwein-Trüffel-Schaum, der allerdings gar nicht aufgeschäumt ist und arg säuerlich schmeckt. Dafür ist die Wurst ein Knaller! Das zarte, angenehm stückige Brät schmeckt eindeutig nach Kalb; Würfel pochierter Gänsestopfleber ersetzen sehr fein den Speck.

Ob man dafür 20 Euro ausgeben sollte, mag Geschmackssache sein. Aber in Zeiten grassierender Krebsangst hat das viel für sich. Der Preis erinnert daran, dass man mit dem Fleisch Maß halten sollte und sich lieber selten etwas gönnen, als obskure Industriewurst am laufenden Meter zu verschlingen.

Wobei die Besitzerin Monika Hamann sagt, ihre Kundschaft bestelle wie immer. Was sie auch gar nicht verwundert: "Es gibt ja keine Alternative. Ab und an braucht man Wurst."

Curry Pirates, Mozartstraße 23, Tel. 28 78 06 61, www.curry-pirates.de. Geöffnet mo–fr 12–15 und 17–20 Uhr. Eine Wurst ab 3,50 €.