Allein am Standort Hamburg arbeiten mehr als 1000 Menschen für die Reederei. Mit ihren Partnern sorgt sie für einen großen Teil des Umschlags im Hafen. Dass ihre Zentrale auch nach der Fusion mit der chilenischen CSAV noch am Ballindamm liegt, ist auch Hamburg als Miteigentümer und daher Mitbestimmer zu verdanken.

Nur: Der Wert all dessen ist wenig plakativ. Er lässt sich schwer in gewonnenen oder zerronnenen Millionen berechnen. Er ist praktisch unsichtbar. Erst wenn etwas schiefläuft, ist das Gezeter groß.

Natürlich wäre es gut gewesen, das eingesetzte Geld zurückzubekommen. Hamburg könnte es gebrauchen für Flüchtlinge, Schulen, Parks. Idealerweise hätten Dividenden die Kosten ausgeglichen, und die Stadt könnte ihre Anteile mit Gewinn verkaufen. Beides ist derzeit unwahrscheinlich. Weil damals keiner ahnte, dass die Schifffahrtskrise heute Normalität ist.

Dass es nicht zwangsläufig im Desaster endet, wenn die Stadt in den Markt eingreift, zeigen zwei Beispiele aus der Vergangenheit: 2003 kaufte Hamburg für mehr als eine Milliarde Euro Aktien des Nivea-Herstellers Beiersdorf, um eine Übernahme durch den US-Konzern Procter & Gamble abzuwenden. Beim Ausstieg verdiente die Stadt einige Millionen. Heute arbeiten mehr als 3000 Menschen für Beiersdorf in Hamburg. Ob das unter einem amerikanischen Investor noch so wäre, ist fraglich. Auch beim Kupferkonzern Aurubis stieg die Stadt 2008 ein, um eine feindliche Übernahme zu verhindern. Nach knapp einem Jahr verkaufte sie die Aktien – mit Gewinn.

Hamburg hat sich schon immer eingemischt. Das ist gut so. Weil es einen Unterschied macht, ob Unternehmen von hier aus oder von einer Konzernzentrale in Düsseldorf, Dänemark oder Indien gesteuert werden. Und weil bereits genug Firmen abgewandert sind oder gekauft wurden.

Nur eines darf die Politik bei ihren kostspieligen Einsätzen nicht vergessen: Niemand kann auf ewig den Status quo erhalten. Unternehmen, die keine Zukunft haben, dürfen vom Staat nicht künstlich am Leben gehalten werden. Unternehmen, die vorübergehend in Not sind, verdienen Hilfe. Die Kunst ist es, den Unterschied zu erkennen.