Nun also auch Manipulationen beim Treibhausgas CO₂. Die neueste Enthüllung im VW-Skandal zeigt, welche kriminelle Energie Manager aufbringen, um den Umweltschutz systematisch zu umgehen. Und sie demonstriert, dass der Industrie bei der Angabe von Emissionswerten nicht zu trauen ist.

Das ist ein Grundproblem in der Klimapolitik. Denn die Treibhausgasbudgets basieren auf Schätzungen der einzelnen Staaten und damit auch auf Angaben der Wirtschaft. Wie viel Kohlendioxid, Methan und andere Treibhausgase tatsächlich in die Atmosphäre entweichen und den Klimawandel beschleunigen, wird nicht etwa gemessen, sondern rein statistisch ermittelt. Einmal im Jahr erstellen die Staaten eine Art Ökobilanz. Den Gesamtausstoß hierzulande errechnet das Umweltbundesamt in Dessau. Es ermittelt, wie viel Energie und Müll die Deutschen verbrauchen, wie viele Autos unterwegs sind, wie viel Methan aus den Därmen deutscher Kühe entweicht. Das Ergebnis wird an die Vereinten Nationen gemeldet. Diese nationalen Emissionsrechnungen sind die Grundlage für das Kyoto-Abkommen.

Damit ist die Fallhöhe klar: Die Berechnung entscheidet darüber, ob der Klimaschutzvertrag eingehalten wird, ob überhaupt wirklich etwas gegen die Erderwärmung getan wird.

Doch Zweifel an den Emissionsberichten der Regierungen halten sich hartnäckig. Schon länger vermuten Atmosphärenphysiker, dass die Berechnungen hinten und vorne nicht stimmen. Zahlreiche Messungen an verschiedenen Orten der Erde belegen, dass teilweise deutlich mehr klimaschädliche Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, als die Regierungen veröffentlichen. Bei Methan und dem hochwirksamen Schwefelhexafluorid fanden die Forscher sogar grobe Abweichungen. Erst vergangene Woche meldete die New York Times, dass China bis zu 17 Prozent mehr Kohlendioxid ausstößt als angegeben. Das ist dieselbe Menge CO₂, die Deutschland jedes Jahr emittiert.

Ob die Werte der Staaten manipuliert werden oder einfach nur Fehler bei der Berechnung passieren, ist am Ende einerlei. Die mehrfach belegten Falschmeldungen zeigen: Es braucht ein unabhängiges Messnetz, um die tatsächlich emittierten Treibhausgase jedes einzelnen Landes zu ermitteln – ein solches Netz strebt die EU für 2016 an. Entscheidend ist, dass die Angaben überprüfbar sind. Sonst ergeben die Verhandlungen über einen neuen Klimavertrag und jede eingesparte Tonne CO₂ keinen Sinn. Ob Auto, Kuh oder Schornstein: Man will wissen, was rauskommt.