Bis zum 29. November können die Hamburger über die Bewerbung ihrer Stadt abstimmen. Für den Bürgermeister sind die Spiele "ein großes Abenteuer". Sollen sich die Bürger darauf einlassen?

Finanzen

Chancen

Die Hamburger haben sich einen cleveren Plan ausgedacht: Sie wollen das größte Sportevent der Welt in einem neuen Stadtteil feiern – und selbst nur einen Bruchteil der Kosten tragen. 15 Milliarden Euro sollen für Olympia 2024 in Hamburg nach erster Berechnung investiert werden. Die Stadt will davon nur 1,2 Milliarden zahlen. Mehr könne sie nicht verkraften, sagt Bürgermeister Olaf Scholz, auch weil sie von 2019 an wegen der Schuldenbremse keine neuen Schulden aufnehmen darf. Und wer zahlt den Rest? Nach Hamburgs Vorstellungen vor allem der Bund (6,2 Milliarden) und private Bauinvestoren, die das olympische Dorf und das Mediendorf errichten sollen (3,6 Milliarden). Dazu hofft man auf Einnahmen (3,8 Milliarden). Falls diese Rechnung aufgeht, wären die Spiele für die Stadt ein lukratives Geschäft – zusätzlich würden ja auch noch eine Menge Steuern in die Stadtkasse fließen.

Risiken

Der Bund ist bislang nicht bereit, mit 6,2 Milliarden Euro den Großteil der Kosten zu tragen. Bis zum Referendum wird es wohl unklar bleiben, wer wie viel bezahlt. Möglich ist sogar, dass die Spiele in Hamburg am Geld scheitern. Und stimmt es wirklich, dass die Hamburger Bewerbung die "am besten durchgerechnete ever" ist, wie es der Bürgermeister verkündet? Kritiker halten zum Beispiel die kalkulierten Sicherheitskosten von 461 Millionen für viel zu gering. Bislang waren alle Spiele teurer als vorher angekündigt, im viel gelobten Barcelona etwa fünf Mal so teuer. So lange im Voraus seien alle Kalkulationen noch "sehr unsicher", warnt der Rechnungshof. Außerdem: Überfordert sich Hamburg nicht mit den Spielen? Die Stadt ist schon mit rund 24 Milliarden Euro verschuldet – und hat Gewaltiges vor sich: Für die Flüchtlingsbetreuung und die Rettung der HSH Nordbank muss die Stadt in den nächsten Jahren viele Milliarden ausgeben.

Umwelt

Chancen

Nachhaltig soll heute alles sein, was gebaut wird. Natürlich auch Olympia. In den Worten des grünen Umweltsenators Jens Kerstan: "Wir verstehen Nachhaltigkeit umfassend: sozial, ökologisch und ökonomisch." Kerstan will die Spiele klimaneutral austragen, zum Beispiel mit Hilfe einer Klimataxe, einer Gebühr, die Umweltbelastungen ausgleichen soll. Die Innenstadt soll während der Spiele autofrei bleiben. Und in der OlympiaCity soll energieeffizient und innovativ gebaut werden. Was das konkret heißt? Zwei Prozent der Hochbaukosten sind im Finanzreport für "Nachhaltigkeitsmaßnahmen" eingeplant, etwa "innovative Batteriespeicher", "innovative Abfallmanagementsysteme" oder "Urban Farming". Ebenfalls gut für die Umwelt: Hamburg will kompakte Spiele in einem Umkreis von zehn Kilometern. Athleten sollen mit dem Fahrrad zu den Stadien fahren können, viele Sportstätten sind zu Fuß oder mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erreichen.

Risiken

Nachhaltig soll heute alles sein – natürlich auch in den anderen Bewerberstädten. Alle wollen das Gleiche oder versprechen es wenigstens: "Sustainable games", so steht es in ihren Bewerbungen. Kann Hamburg sich mit seinem Konzept deutlich absetzen? Bislang sieht es nicht danach aus. An den bisherigen Versprechungen gibt es außerdem Kritik. Vom BUND zum Beispiel: Ökologisch wertvolle Hafenbecken müssten für die Spiele zugeschüttet werden, der Flächendruck steige, eine weitere Expansion des Hafens ins Umland drohe. Zudem sei ein Verkehrskollaps während der Spiele absehbar. "Aus Sicht des BUND spricht kaum etwas für Olympia, vieles jedoch dagegen", lautet das Fazit. Auch der Nabu bleibt kritisch, weil wichtige Fragen wie Luftreinhaltung, Lärmschutz und Naturschutz noch nicht geklärt seien.