Als am Sonntagmittag im Baseler Theater der Schweizer Buchpreis 2015 vergeben wurde, war das nicht nur der Triumph der in Hamburg lebenden Schweizer Autorin Monique Schwitter. Mit ihrem von der Kritik gefeierten Roman Eins im Andern (ZEIT Nr. 32/15) hatte sie vergeblich auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis gestanden. Jetzt setzte sie sich gegen vier Konkurrenten durch und bekam das mit 30.000 Franken dotierte Pendant für ihren Roman über die Liebes- und Männerbilanz einer vierzigjährigen Frau. Aber dieser Preis war auch ein Triumph für einen kleinen Buchverlag: Droschl aus Graz in Österreich, seit 1978 eine edle Adresse für unkonventionelle Bücher. Wie schon in Frankfurt gingen die großen deutschsprachigen Verlage, Hanser, Suhrkamp, S. Fischer, Rowohlt, KiWi und Co., leer aus: Den Deutschen Buchpreis hatte im Oktober der Außenseiter Frank Witzel mit seinem Roman Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 gewonnen, erschienen im Berliner Verlag Matthes & Seitz.

Es ist also das Jahr der Kleinen in der deutschsprachigen Buchlandschaft, jedenfalls was die hoch dotierten Buchpreise betrifft. Damit wird gegen viele Kassandragesänge der Buchbranche Entdeckermut belohnt, aber auch der Glaube an die künstlerische Qualität und das geduldige Vertrauen in eine Autorin, einen Autor; allesamt professionelle Eigenschaften, die sich in vielen kleineren Verlagshäusern finden. Damit wird dort aber auch bewusst kalkuliert: Man weiß, dass in unkonventionell erzählten Stoffen, die in größeren Verlagen öfter durch den Rost fallen, eine Chance zum Erfolg liegt; schließlich muss man dank einer schmaleren Kostenstruktur nicht in Stapeln bei Thalia liegen. Was den literarischen Reichtum betrifft, sind der Schweizer und der Deutsche Buchpreis 2015 jedenfalls ein schönes Signal.

Allerdings darf das nicht über die drohende Gefahr hinwegtäuschen: Denn wenn die Pläne von Justizminister Heiko Maas zum Urheberrecht Gesetz würden und Autoren schon nach fünf Jahren die Rechte an ihren Werken zurückhaben könnten (s. Interview), dann kann sich kein kleiner Verlag mehr neugierige Entdeckungen und den Glauben an Außenseiter leisten – bald wäre es vorbei mit der paradiesischen Büchervielfalt.