Schwere Terroranschläge wie die vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten hatten immer auch Folgen für die Weltwirtschaft: Börsenkurse brachen ein, Konsumenten kauften weniger, Exporte gingen zurück. Welche ökonomischen Folgen die Taten von Paris haben werden, ist noch nicht abzuschätzen – aber eine Branche dürfte ganz sicher davon profitieren, nämlich die Rüstungsindustrie. Sie verspricht ihren Kunden ein kostbares Gut: Sicherheit.

"Wann immer es auf Sicherheit ankommt, haben wir die richtigen Antworten", verspricht der deutsche Ableger des französischen Luft- und Raumfahrtunternehmens Thales. Der Rüstungskonzern Diehl aus Nürnberg wirbt in einer Imagebroschüre für "Technologie im Einsatz für die Sicherheit", Rheinmetall bezeichnet sich selbst als zuverlässigen Partner "ziviler staatlicher Sicherheitskräfte". Und ThyssenKrupp Marine System preist Kriegsschiffe an, die nicht nur helfen sollen, Embargos durchzusetzen, sondern auch für die "Abwehr von Piraten oder Terroristen" bestens geeignet seien.

Gemeinsam mit anderen Rüstungsherstellern haben sich diese Unternehmen zu einer Lobbygruppe zusammengeschlossen. Sie nennt sich "Ausschuss Sicherheit" und gehört zum Bundesverband der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV), dem wichtigsten Branchenverband der Rüstungsschmieden. "Aus unserer Sicht sind heute die Marktsegmente ›Verteidigung‹ und ›Sicherheit‹ untrennbar miteinander verbunden", heißt es beim BDSV. "Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie verfügt in diesem Kontext über ein äußerst breites Leistungsspektrum mit Orientierung auf Vorsorge vor und Bewältigung von Großlagen und Katastrophen." Dazu zählt der Verband auch den Schutz von Fußballweltmeisterschaften oder Olympischen Spielen – aber auch die Abwehr von Cyber-Angriffen und Anschlägen mit chemischen, biologischen oder atomaren Massenvernichtungswaffen.

Nach dem Ende des Kalten Krieges und der darauf folgenden Abrüstung der Supermächte und ihrer Verbündeten fanden viele Waffenhersteller im Anti-Terror-Kampf neue, lukrative Geschäftsfelder. Vor allem seit den Anschlägen von New York (2001), Madrid (2004) und London (2005) hat sich die Industrie immer stärker auf die Abwehr von Terroristen eingestellt.

Die neuen Feinde der Sicherheitskräfte greifen mit sehr wenigen Leuten sogenannte weiche Ziele wie Konzerthallen oder Regionalzüge an, sie tragen keine Uniformen und stellen ihre Waffen teilweise selber her, etwa Sprengsätze aus Düngemittel und Treibstoff. Sich vor solchen Angreifern zu schützen ist teuer – und längst nicht mehr nur ein Anliegen von Armeen.

Auf Rüstungsmessen wie der Milipol, die in dieser Woche in Paris stattfindet, sprechen die Marketingleute sowohl Militärs als auch Polizisten an. Das diesjährige Motto lautet: "For a secure world", für eine sichere Welt. Themen der Messe sind die Sicherheit von Daten, Flughäfen, öffentlichen Plätzen und des Verkehrs, aber auch der Einsatz von Sonderkommandos gegen Terroristen. Auf einer ähnlichen Messe in London, der Verteidigungs- und Sicherheitsausstellung DSEI, zeigen Anbieter Überwachungstechnik, Sprengstoffsensoren und Aufklärungsdrohnen, die Polizeibehörden weltweit nutzen.

Die Unternehmen werben auch um deutsche Behörden: "Wir tragen mit integrierten und leistungsstarken Lösungen dazu bei, Menschen, sensible Daten und Infrastrukturen zu schützen", heißt es auf der Firmen-Homepage der deutschen Tochter von Thales. Ein lukratives Geschäft: Die Konzernsparten Verteidigung und Sicherheit machten mit fast 6,5 Milliarden die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Um die Zukunft sorgen sich die Manager, die Aktionäre von den Chancen des Unternehmens zu überzeugen suchen, auch nicht: "Terrorismus und Kriminalität im Internet sind auf dem Vormarsch, die Gefahr von Naturkatastrophen und Seuchen wächst." Das Versprechen aus der Konzernbroschüre spiegelt sich im Zynismus der Börse. Nach den Anschlägen von Paris erreichte die Aktie des Konzerns ein Allzeithoch.