Mit wem gehe ich in die Sauna – wen darf ich überhaupt fragen?

Generell bitte niemanden mitnehmen, bei dem sich die Frage stellt, ob man ihn fragen sollte! Die Sauna ist das Wohnzimmer der Selbstverständlichkeit. Es geht um Ritual und Genuss im physisch Eigentlichen, das ja nicht zufällig ohne Kleidung, Schuhwerk und Armbanduhr auskommt. Man zieht sich zwar aus wegen der Hitze, aber doch nicht nur. Man will Alltägliches abstreifen, darf also keinen Kommentator, Bescheidgeber oder Quassler mitnehmen.

Da es um Stimulation und Erquickung geht, sollte man auch Problembären lieber nicht fragen. Die wälzen am Ende Diätpläne über Speckfalten oder tragen ihren angestauten Missmut in die Hütte. Ganz verboten ist die Mitnahme jenes Typus des beleibten Mannes, dem es ein Spaß ist, mit der Hand Wasserski auf dem triefenden Wanst zu fahren, spritzend und patschend. Wer dick ist, möge in sich gekehrt sein Schicksal erdulden und nicht den Gewichtsverlust durch abgehende Flüssigkeit ostentativ zelebrieren.

Gute Erfahrungen im fortgeschrittenen Alter gibt es mit der Gesellschaft von Schulfreunden. Hier muss niemand niemandem mehr etwas beweisen; die eigene Vergänglichkeit ist hinreichend evident und taugt sogar für kleine Komplimente, wo ihr vorübergehend die Stirn geboten werden konnte.

Dieser Text stammt aus "Z – Zeit zum Entdecken", dem neuen Ressort der ZEIT.

Wozu die Wedelei?

Die Sauna ist ein Ort, an dem es grundsätzlich zu heiß zum Leben ist. Und doch wollen viele Saunanutzer es immer noch heißer. Das ist technisch irgendwann schwierig. Aber man kann die gefühlte Temperatur erhöhen. Um das zu erreichen, kippt der Aufgussmeister nicht nur Wasser auf die heißen Steine. Er wedelt auch.

Zum Wedeln (in Bayern und Österreich sagt man auch Wacheln) verwendet man meist ein Handtuch, aber auch große Fächer oder Fahnen kommen zum Einsatz. Die bekannteste Technik ist der "Propeller": Der Aufgussmeister lässt ein zusammengerolltes Handtuch über seinem Kopf rotieren. Physiologisch passiert dabei Folgendes: Der heiße Wasserdampf wird in wild wabernde Bewegung versetzt; und die vier bis acht Millimeter dicke, durch Verdunstungskälte entstandene Isolierschicht über der Haut zerreißt. Nunmehr ungeschützt, erleben die Gäste eine echte Höllenhitze.

Wer selbst mal wedeln will, sollte übrigens keinesfalls das eigene, vollgeschwitzte Saunahandtuch benutzen: Das ist unglaublich eklig und hat in der Regel den sofortigen Saunaverweis zur Folge.

Wie lange ist lange genug?

Die finnische Sauna Society empfiehlt etwa zehn Minuten, aber da hat sie ein paar wesentliche Aspekte verschwitzt: Nach zehn Minuten in knochentrockener Hitze kann ich locker eine Runde Saunayoga dranhängen, während nach mehreren Aufgüssen höchstens noch Haltungen möglich wären, die "kochender Tropenhund" oder "fliehende Kriegerin" heißen. Auch hängt die Antwort, zumindest in meinem Freundeskreis, davon ab, wen man fragt: Aus Sicht von Frauen sauniert man höchstens, bis die Sanduhr durch ist. Aus Sicht der Männer auf jeden Fall länger als alle anderen – wobei man sich auf der obersten Bank zu platzieren hat und etwaige Gegner durch wiederholte Aufgüsse in die Flucht zu schlagen versucht.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 47 vom 19.11.2015.

Das ist übrigens ein Problem: So ein Mann wird ja nicht klüger, wenn er sich das Gehirn wegschwitzt. Im Gegenteil, es ist zu befürchten, dass bei allen Kontrahenten mit zunehmender Schwitzdauer die Borniertheit wächst, und damit der sinnlose Wettkampfgeist; sie halten also noch länger durch, was noch mehr aufs Gehirn schlägt, was wiederum den Durchhaltewillen steigert – so kommen die da nie mehr raus. Was tun? Man kann ihnen warnend von der Sauna-Weltmeisterschaft 2010 erzählen: 110 Grad, Aufgüsse alle 30 Sekunden, ein Finalist starb, der andere fiel für drei Monate ins Koma! Dann riskiert man aber die auffällig interessierte Gegenfrage: "Und welche Zeit haben die so geschafft?" Hilfreicher ist es, auf alternative, saunanahe Disziplinen zu verweisen: Wettduschen etwa, oder ein stundenlanges, gnadenloses Relax-Turnier im Ruheraum.