Um das erste eigene Gehalt zu verprassen, braucht es weder einen teuren Urlaub auf den Seychellen noch eine Leidenschaft für schnelle Autos. Es reicht, auf den falschen Berater zu hören. Vom Fahrrad bis zum eigenen Leben lässt sich fast alles versichern – und gerade für Berufsanfänger ist es schwer, zwischen Luxus-Policen und notwendigem Schutz zu unterscheiden.

Laut der Verbraucherzentrale Hamburg gibt jeder Deutsche pro Jahr mehr als 2.000 Euro für private Versicherungen aus. Bundesweit wartet ein Heer von besorgten Finanzexperten darauf, junge Menschen damit zu versorgen, zumeist bekommen sie dafür eine Provision ihrer Versicherer.

Wie sinnvoll sind ihre Empfehlungen? Das hat ZEIT GELD in einem nicht repräsentativen Beratertest überprüft: bei einer Hausbank, einem Finanzvermittler, einem unabhängigen Makler, dem Internetanbieter Clark.de und der Verbraucherzentrale. Das Szenario: Fotografin, 26, selbstständig, sucht Versicherungsschutz.

Am enttäuschendsten läuft das Gespräch bei der Hausbank. Die Mitarbeiterin fragt wenig, aber empfiehlt viel: Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits-, Rechtsschutz- und eine Zahnzusatzversicherung. Und eine Hausratversicherung – auch, wenn es da eigentlich noch nicht viel zu versichern gibt: "Stellen Sie sich vor, alle ihre Kleider verbrennen ...", sagt die Angestellte. Was sie nicht erklären kann ist, welche dieser Versicherungen wichtiger sind, wenn das Budget begrenzt ist.

Der unabhängige Berater und Mitarbeiter des Finanzvermittlers machen ihre Arbeit besser: Sie erkundigen sich nach Job, Einkommen und Lebensumständen. Und sie sind sich in vielem einig – etwa darin, dass Rechts- oder Unfallversicherungen Luxus sind und dass die gesetzliche Krankenversicherung für die jungen Selbstständige die bessere Wahl ist. Bei einer Frage sind sie uneins: Brauchen Berufsanfänger eine private Rentenversicherung? Der Finanzvermittler rät zu einer sogenannten Rürup-Rente: Die Einzahlungen in diese Verträge lassen sich teilweise von der Steuer absetzen; das ist besonders für Selbstständige nützlich, die nicht die Förderung einer staatlich subventionierten Riester-Rente in Anspruch nehmen können. Der unabhängige Versicherungsmakler empfiehlt dagegen eine klassische private Rentenversicherung eines irischen Versicherers: Damit sei man flexibler, weil das angesparte Kapital anders als bei Rürup-Verträgen nicht nur als lebenslange Rente, sondern auch auf einen Schlag ausgezahlt werden könne.

Was bei ihm nach einem guten Geschäft klingt, treibt der Frau in der Verbraucherzentrale Empörungsfalten auf die Stirn. Der empfohlene Anbieter habe "völlig intransparente Verträge". Außerdem seien die Abschlusskosten wie bei vielen Lebensversicherern zu hoch und die versprochenen Zinsen von bis zu sechs Prozent utopisch. Auch von einer Rürup-Rente hält sie wenig: Sie lohne sich für ältere Selbstständige mit hohem Einkommen.

Bleiben die Policen für Haftpflicht und Berufsunfähigkeit, die alle Berater empfehlen. Die Haftpflichtversicherung zahlt, wenn anderen durch das eigene Handeln ein Schaden entsteht. Wichtig ist dabei vor allem die Versicherungshöhe: Mindestens drei Millionen Euro sollten es sein. Die Tarife kosten in der Regel zwischen 40 und 90 Euro im Jahr. Wer eine Selbstbeteiligung wählt, Single ist und den Vertrag online abschließt, zahlt weniger.

Deutlich mehr kostet es, sich für den Fall abzusichern, dass man berufsunfähig wird. Wer nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann, bekommt dann von der Versicherung eine monatliche Rente – bestenfalls schon ab einem Ausfall von sechs Monaten. Wie viel die Police kostet, hängt vom Einkommen ab, das die Versicherung ersetzen soll. Verbraucherschützer raten, mindestens 1.000 Euro abzusichern; der Onlineversicherungsmakler Clark.de empfiehlt, mindestens 80 Prozent des Nettoeinkommens abzusichern. Per Mail schickt er einen Preisvergleich mehrerer Anbieter. Das günstigste Angebot liegt bei 116 Euro – pro Monat. Viel Geld für eine junge Fotografin. Trotzdem empfiehlt es sich, diese Versicherung früh abzuschließen, solange man noch gesund und munter ist. Sonst wird sie teurer, oder man bekommt sie gar nicht mehr.

Denn eine wichtige Hürde bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist der Gesundheitscheck. Vor Abschluss der Versicherung müssen alle Vorerkrankungen und Arztbesuche der vergangenen Jahre aufgelistet werden. Nur wer dabei sorgfältig und ehrlich ist, kann sicher sein, dass die Versicherung im Schadensfall auch wirklich zahlt, sagt die Verbraucherschützerin.

Bei der Wahl der Versicherungen zählt für Berufsanfänger also Klasse, nicht Masse: Statt viele Versicherungen abzuschließen, sollte man sich zunächst auf die Risiken Haftpflicht und Berufsunfähigkeit konzentrieren und Angebote vergleichen. Das macht den Versicherungsschutz zwar immer noch nicht ganz billig. Immerhin kann man sich dann aber sicher sein, dass das Geld sinnvoll investiert ist.