Darüber kann man ja auch mal reden, was sich seriöse ältere Herren alles gefallen lassen müssen. Besonders von jüngeren Frauen. Besonders zur Weihnachtszeit.

Monatelang will zum Beispiel vom Weihnachtsmann keine was wissen. Und dann nennen ihn auf einmal alle "Baby", und verlangen ("hurry down the chimney tonight"), er solle sie durch ihren Schornstein besuchen. Etwa die australische Ikone Kylie Minogue, in ihrem neuen Album Kylie Christmas. Darauf hat übrigens auch Frank Sinatra einen Auftritt. Und was dem selbst posthum noch alles geboten wird: Kylie singt mit ihm Santa Claus is Coming to Town, und für das eben erschienene Doppelalbum Weihnachten des deutschen Dauerbrenners Helene Fischer muss er gleich nochmal ran, wenn es heißt Have Yourself a Merry Little Christmas. Digital wiederbelebt und zum Duett gezwungen. Nicht schön.

Sinatra ist das schon häufig zugestoßen, mit ihm sangen Céline Dion All the Way und Robbie Williams It Was a Very Good Year. Weihnachtshalber sang zudem einmal Scarlett Johansson um die Stimme des verstorbenen Dean Martin herum, Rod Stewart gab vor drei Jahren mit Ella Fitzgerald What Are You Doing New Year’s Eve, und ebenfalls von Helene Fischer wird jetzt Bing Crosby (White Christmas) zurück auf die Bühne gestellt.

Womöglich bewog sie das Bedürfnis nach väterlicher Stabilität dazu. Weihnachtsalben sind ein so riskantes Genre. Es gibt von fast jedem eines, von Jessica Simpson, Bob Dylan, Justin Bieber – you name it. Wenn sie erscheinen, weiß man, es ist spät geworden: im Jahreslauf und in der Karriere eines Stars. Denn Weihnachtslieder offenbaren den Charakter derart, dass nur eherner Ruhm oder tiefer Fall die Folge sein können. Von der Stillen Nacht oder dem Winter Wonderland hat jeder fühlende Mensch eine Urform im Ohr. Weshalb der Versuch einer pfiffigen Interpretation jedes Stäubchen auf der Seele offenbart.

Was Kylie Minogues Seele angeht, muss man sie sich demnach eher unaufgeräumt vorstellen. Da geht alles durcheinander, Aerobic-Video-Appeal, Jazz-Tempi, Stehblues. Dagegen Helene Fischer: nicht nur sauber, sondern rein! Singt jeden Ton aus, als schwelge sie in ihm besonders intensiv. Am Ende wird jedes Lied, von Ihr Kinderlein, kommet bis O Tannenbaum, zum Triumphmarsch. Aber im Tempo: immer rückenschonend. An Sinatra scheitern beide. Dessen Coolness bleibt jenseits von Gut und Böse.