DIE ZEIT: Frau Seisl, Sie beraten mit Ihrer Kollegin Andrea Gutmann Frauen und Unternehmen bei der Karriereförderung. Wie macht man das denn richtig?

Petra Seisl: Viele Firmen bieten Kurse an, in denen speziell Frauen gesagt wird: "Ihr müsst durchsetzungsstärker sein, ihr müsst euch besser verkaufen." Davon halte ich nichts, weil es sinnlos ist, männliches Verhalten einfach zu kopieren. In anderen Kursen werden Frauen gecoacht in Kommunikation oder Präsentation. Oder sie werden auf Führungspositionen vorbereitet.

ZEIT: Bringt das was?

Seisl: Die Kurse sind gut, Frauen lernen, selbstbewusster aufzutreten. Aber in letzter Konsequenz ist das Führungskräfteseminar allein sinnlos. Denn während Frauen in der Weiterbildung sitzen, machen die Männer Karriere und bekommen die Chefposten. Obwohl so viel über die Quote diskutiert wurde, zeigen die Zahlen: Es gibt immer noch kaum Frauen in der Führungsebene.

ZEIT: Was würde in Ihren Augen helfen?

Seisl: Zunächst müssen Frauen verstehen, dass sie anders bewertet werden als Männer. Ein Beispiel: Wenn eine Frau nach mehr Geld fragt, wird ihr das negativ ausgelegt. Bei Männern verhält es sich meistens anders. Um das zu ändern, müssen aber auch Männer für das Thema sensibilisiert werden.

ZEIT: Wie soll das gehen?

Seisl: Einige Firmen haben bereits Diversity-Abteilungen und schicken Manager in Kurse mit den Namen "Unconscious Bias" oder "Gender Awareness". Dort werden sie auf Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Verhalten aufmerksam gemacht. Sie müssen das erst mal bemerken und reflektieren. Und dann können Personaler diese Unterschiede bei Einstellungen und der Besetzung von Chefposten berücksichtigen.