Hossein Momeni* ist eigentlich kein Typ, der Verständnisprobleme hat. Der Iraner lebt noch nicht lange in Deutschland, und doch kennt er schon Wörter, die aus einem juristischen Seminar zu kommen scheinen. Er kann genau erklären, wann und warum seine Anwältin eine "Dienstaufsichtsbeschwerde" eingelegt hat und aus welchen Gründen er einen "Gebührenbescheid" für fragwürdig hält. Aber wenn es darum geht, dass Deutschland ihn immer noch nicht arbeiten lässt, sagt er ziemlich oft: "Ich verstehe das nicht. Verstehen Sie das?"

Momeni, 29 Jahre alt, sitzt in einem Restaurant in Barmbek, vor ihm liegt eine Mappe mit seinen Unterlagen. Für jede Etappe seines Asylprozesses hat Momeni von den Behörden ein neues Dokument bekommen. Seit Mai ist er als Flüchtling anerkannt. Eigentlich hat er es geschafft.

Eigentlich.

Denn seitdem geht es kaum voran.

In Zeiten, in denen täglich rund 400 Flüchtlinge in Hamburg ankommen, steigt auch die Zahl derjenigen, die das Asylverfahren erfolgreich durchlaufen haben. Im Vergleich zu 2013 hat sich die Zahl für 2015 mehr als versechsfacht: auf gut 3000. Das Einwohner-Zentralamt sagt, dass dadurch die Bearbeitungszeiten gestiegen seien. Bis zu drei Monate nach der Anerkennung kann es dauern, bis der Aufenthaltstitel, also das Ausweispapier, ausgestellt wird.

Für Menschen wie Momeni hat das drastische Folgen: Können sie sich nicht ausweisen, finden sie keine Arbeit. Manchen drohe sogar die Obdachlosigkeit, sagt die Beratungsstelle Fluchtpunkt.

Momenis Aufenthaltsgestattung ist abgelaufen, "längstens gültig bis: 29-10-15" steht darauf. Um sich ausweisen zu können, hat er nun immer das Schreiben vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) dabei, das ihm Asyl zuerkennt. Das sei "ein bisschen nervig", aber nicht so schlimm, sagt Momeni. Schlimm ist die Angst, die Miete nicht mehr zahlen zu können, weil er nicht arbeiten darf.

Bei der Beratungsstelle Fluchtpunkt lernte Momeni, dass nun das Jobcenter statt des Sozialamts für ihn zuständig sei. Nur sagte ihm die Dame dort: Ohne Ausweis könne sie leider nichts für ihn tun, sein Antrag auf Unterstützung werde abgelehnt. Mit dem Bamf-Schreiben konnte sie nichts anfangen.

Momeni hat im Laufe seines Asylprozesses zweieinhalb Jahre in Containern gewohnt. Er dachte, dass ein anderes Leben losgeht, sobald er als Flüchtling anerkannt ist. Aber offenbar stimme das nicht, sagt er jetzt. "Ich hänge in der Luft."