Es ist ein verblüffender Effekt der Popmusik, dass das Meistgeliebte mit dem Bestgehassten so oft identisch ist. Die größten Bands der Welt sind gerade jene, die das Publikum besonders tief in Verehrer und Verächter spalten. Das gilt auch für Coldplay, die jüngsten Nachrücker im erlauchten Kreis globaler Marken. A Head Full Of Dreams ist das siebte Album der britischen Band und eine ideale Hohlform für das, wonach sich die Massen strecken.

Originär an dieser Musik ist neben dem immer leicht verschnupften, inzwischen leicht aufgerauten Tenor von Chris Martin das heitere Zusammenspiel aus Ostinato und Arpeggio im Dienst unbedingter Radiotauglichkeit. Originell an dieser Musik sind die Momente, in denen Coldplay mal nicht "ganz bei sich" sind und leichtfüßig aus ihrem Referenzrahmen treten. Was nur selten geschieht. Denn wo Coldplay sind, ist die Mitte.

Abzusehen war das nicht. Als das Quartett 1999 mit dem filigranen Britpop von Parachutes debütierte, waren Oasis noch nicht Geschichte und machten Radiohead noch Rockmusik. Vielversprechend waren damals nicht nur die Verkäufe, sondern auch die zahlreichen stilistischen Möglichkeiten der Band.

Bald darauf deutete das komplexe A Rush Of Blood To The Head in eine progressive Richtung. Doch fanden sich Coldplay unversehens in der Rolle der Heilsbringer ausgerechnet in dem Moment wieder, als sie ihr künstlerisches Feld bereits abgeschritten hatten.

In dieser Situation kann man im Grunde nur scheitern. Coldplay aber müssen damals beschlossen haben, den Erfolg auf hohem Niveau zu konsolidieren. Auch um den Preis, künftig nur noch das Bekannte zu variieren. Wer nichts wagt, der kann auch nicht verlieren. Die Rechnung geht bis heute auf.

Mal ging es dezent in eine folkige, mal dezent in eine elektronische Richtung. Aber immer wie auf Samtpfoten und oft unter dezenter Verwendung bereits erfolgreich erprobter Akkordfolgen. Brian Eno durfte, wie zuvor schon bei U2, als Produzent seinen Sternenstaub über die Platten einer Band verteilen, die sich längst als "too big to fail" erwiesen hatten.

Die Ehe zweier so schöner und prominenter Menschen wie Chris Martin und der Schauspielerin Gwyneth Paltrow war nicht nur boulevardtauglich. Ihr Ende taugte auch als Thema für Coldplays vorletztes Album, Ghost Stories. Von dessen Dunkelheit will sich A Head Full Of Dreams nun mit frischem Optimismus und sonnigem Pop deutlich absetzen.