Neulich warf mir der Kollege Thomas E. Schmidt die CD Miles & more: Wolfgang Thierse liest Gedichte von Rainer Maria Rilke zur Musik von Miles Davis auf meinen unaufgeräumten Schreibtisch und sagte: "Mach was draus." Noch bevor ich "Hey, E-Punkt, H&M: Herta Däubler-Gmelin liest Balladen von François Villon zur Maultrommel von Peter Frampton wäre mir aber lieber gewesen" antworten konnte, war er schon weg, der E-Punkt. Feuilletonisten.

Kaum hatte ich in die CD hineingehört, befiel mich tiefste Schwermut. Als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Dafür aber Davis’ depressionenauslösende Jazz-Trompete und Thierses bedeutungsschwangerer Ossi-Bär-Bass: Wer da nicht kerngesund ist, ertränkt sich in der erstbesten November-Pfütze. Oder, was Rilke-hafter wäre, er hört im Herzen auf zu sein.

Sollte mir noch jemand eine CD aus der Reihe "Verblasste Politiker lesen aus dem Schaffen toter Lyriker, und ebenso tote Musiker spielen dazu" schenken wollen, wäre Thomas de Maizière liest Baudelaires "Les Fleurs du Mal" zu Jim Morrisons Sprechgesang in "The End" ganz schön. Titel der CD: Thomas’ Ende. Besser noch: Thomas E.