Hamburg, sagt Olaf Scholz manchmal, müsse in Zukunft auch in die Höhe wachsen. So wie in Singapur, sagt er dann gern, wo auf weniger Fläche als in Hamburg fünfeinhalb Millionen Menschen leben. Was Scholz mit Höhe meint? Fünf bis sieben Stockwerke, sagte er zuletzt in der ZEIT. Das ist nicht ganz niedrig, aber ein Vergleich mit Singapur scheint doch recht gewagt.

Allerdings ist es vielleicht nicht verkehrt, die Hamburger mit derart großen Vergleichen auf etwas vorzubereiten, was das Stadtbild entscheidend verändern könnte. Denn in Hamburg gibt es zu wenig Wohnungen, das führt dazu, dass sie immer teurer werden. Das zeigt der aktuelle Mietenspiegel. Die durchschnittliche Nettokaltmiete stieg in den vergangenen zwei Jahren um 6,1 Prozent, das heißt: Im Schnitt zahlen Mieter 46 Cent mehr pro Quadratmeter. Das ist die drastischste Mieterhöhung der vergangenen 20 Jahre. Der Preisanstieg liegt viermal so hoch wie die allgemeine Preissteigerung im selben Zeitraum. Bei der Präsentation des Mietenspiegels sagte Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) etwas euphemistisch, die Studie zeige, "dass der Hamburger Wohnungsmarkt weiterhin dynamisch" sei.

Am 1. April 2015, dem Stichtag, kostete ein Hamburger Miet-Quadratmeter im Durchschnitt 8,02 Euro. Damit ist Hamburg natürlich teurer als das im Vergleich weiterhin günstige Berlin (5,84 Euro), liegt aber immer noch unter den Durchschnittsmieten etwa in Stuttgart (8,44 Euro), Frankfurt am Main (8,66 Euro) oder München (10,73 Euro). Allerdings, und das löste dann doch etwas Sorge aus, konnte offenbar auch das verstärkte Wohnungsbauprogramm des Senats in den vergangenen vier Jahren den Preisanstieg nicht aufhalten.

Der Mietenspiegel liefert keine repräsentativen Daten für den gesamten Hamburger Wohnungsmarkt. Von den 930.000 Wohnungen sind nur rund 700.000 Mietwohnungen. Davon wiederum werden nur 530.000 in der Studie berücksichtigt, weil beispielsweise nur Mieten miteinbezogen werden, die in den vergangenen vier Jahren neu vereinbart oder angepasst wurden. Die Tendenz ist trotzdem eindeutig. Siegmund Chychla, der Vorsitzende des Mietervereins, sagt daher: "Der Mietenanstieg ist besorgniserregend." Die Erhöhungen hätten inzwischen auch die "bürgerliche Mitte" erreicht.

Er meint damit: Nicht mehr nur die Stadtteile, die der Mietenspiegel "gute Lagen" nennt, sind betroffen, sondern vor allem "normale Lagen" wie beispielsweise der Eppendorfer Weg. Die Erhöhung in den "guten" Lagen liegt bei lediglich 2,9 Prozent, während sie in den "normalen" Lagen 6,9 Prozent beträgt. Etwa 150.000 Haushalte, prognostiziert Chychla, müssten sich in den kommenden Wochen auf Mieterhöhungen einstellen. Welche Wirkung die Mietpreisbremse hat, lässt sich mit dem Mietenspiegel noch nicht abschätzen, da das Instrument erst am 1. Juli, also nach dem Stichtag der Untersuchung, eingeführt wurde.

Was tun? Bauen! Fordert der Mieterverein. Statt der zuletzt rund 7000 neu gebauten Wohnungen im Jahr sollen es 8000 sein, schlägt er vor. Anders sei der Bedarf kaum decken: "Mitte der Achtziger Jahre lebten in Hamburg rund 200 000 Bürger weniger, aber es gab gut 350.000 Sozialwohnungen. Mittlerweile ist die Bevölkerung deutlich gewachsen, aber die Zahl der Sozialwohnungen ist auf unter 90.000 geschrumpft." Und Chychla findet wie Olaf Scholz: Bei neuen Projekten soll nicht nur in die Fläche, sondern auch in die Höhe gebaut werden.