DIE ZEIT: Herr Scholz, haben Sie sich übernommen?

Olaf Scholz: Nein. Wir wollten Olympische Spiele nach Hamburg holen. Wir haben immer gesagt: Das geht nur mit Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger. Die haben wir knapp nicht bekommen. Das gilt jetzt.

ZEIT: Wie ist die Stimmung im Rathaus?

Scholz: Na ja, wenn man sich so ein großes Ziel gesteckt hat, ist jetzt nicht der beste Tag. Aber man sollte nicht mit den Entscheidungen der Bürger hadern.

ZEIT: Ist der Mythos des Bürgermeisters Scholz, dem in Hamburg alles gelingt, jetzt beschädigt?

Scholz: Von diesem Mythos habe ich noch nie gehört. Vieles ist bisher gelungen.

ZEIT: Haben Sie die Liebe der Hamburger zur "Schlafenden Schönen" unterschätzt, die Helmut Schmidt vor Jahrzehnten beschrieben hat?

Scholz: Nein.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 49 vom 03.12.2015. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

ZEIT: Hamburg, das Tor zur Provinz?

Scholz: Das wäre unangemessene Häme gegenüber Deutschland und Europa, deren Tor zur Welt Hamburg ja ist. Ich bin dafür, die Entscheidungen der Bürger zu akzeptieren und nicht zu interpretieren. Als hätten sich diejenigen, die dafür oder dagegen gestimmt haben, nicht ihre eigenen Gedanken gemacht. Von Interpretationen nach dem Motto "Eigentlich wäre es anders ausgegangen, aber ..." halte ich jedenfalls nichts.

ZEIT: Über das "Aber" diskutieren gerade aber viele.

Scholz: Die Zeitumstände waren sicherlich nicht günstig. Ich meine beispielsweise den Terror in Paris oder die Debatte über Korruption im Weltfußball. Das zeigt aber nur, wie nötig das Referendum war. Über die lange Zeit bis zur Entscheidung des IOC wären ja in jedem Falle schwierige Situationen auf uns zugekommen.

ZEIT: Vielleicht haben Sie nicht genug erklärt, warum man trotz aller schwierigen Situationen Olympia in Hamburg machen kann.

Scholz: Viele in der Stadt, nicht nur ich, haben alle Gelegenheiten genutzt, das zu erklären. Gerade was die Anschläge von Paris betrifft, gilt für mich, dass man sich von Terroristen nichts verbieten lässt – auch keine Sportveranstaltungen.