So sieht er also aus, der verzweifelte Versuch eines alten Energieriesen, in der neuen Welt der Energiewende zu überleben. Monatelang war spekuliert worden, ob der Energiekonzern RWE eine Zukunft hat – und welche Strategie ihn dahin führt. Nun ist zumindest letztere klar. Der Konzern wird die zukunftsträchtige Energiegewinnung in eine Tochterfirma auslagern, in der Hoffnung, dass wenigstens diese für Investoren attraktiv ist und Geld verdient.

Viel zu lange hatten die RWE-Chefs gehofft, dass sie ewig mit Atom, Gas und Kohle viel Geld verdienen würden. Sie setzten darauf, den Trend hin zu mehr Sonnen- und Windenergie aufhalten zu können, und darauf, dass die Regierung (egal welche) den Betrieb ihrer alten Kraftwerke schon garantieren würde. Sie hielten ihr Unternehmen für viel zu groß, um untergehen zu können. Und dann hatten sie ja auch noch das Argument der Versorgungssicherheit: Wer, wenn nicht die großen Konzerne, sollte sicheren Strom garantieren?

Doch diese Sicht der Welt ist schlicht überholt, das wissen längst nicht mehr nur Experten. Zwar hat der Bundeswirtschaftsminister (auch mit dem Hinweis auf die Versorgungssicherheit) im Frühjahr eine ganze Reihe alter Kohlemeiler noch einmal gerettet und deren Betrieb als sogenannte Klimareserve mit hohen Subventionen für ein paar Jahre gesichert. In Wahrheit aber weiß jeder: Sigmar Gabriel konnte dem Druck aus CDU, NRW und Gewerkschaften nicht standhalten. Noch einmal wird es so ein Geschäft zulasten der Stromkunden aber sicher nicht geben. Das hat einen einfachen Grund: Nicht nur werden Wind- und Sonnenenergie immer billiger. Inzwischen wird auch eine Energieversorgung ohne Atom und Kohlestrom realistischer. Nicht heute, nicht morgen. Aber je besser die großen Versorgungsnetze mit Schwankungen umgehen können, je intelligenter sie Erzeuger und Kunden verbinden, je besser die Speicher und je flexibler die Abnehmer von Energie werden, desto mehr kann das Land mit erneuerbaren Energien versorgt werden – ohne dass ein Blackout droht.

Der Markt hat das längst erkannt. Die Aktienkurse der großen Energieversorger, die Kohle und Atomstrom erzeugen, sanken in den vergangenen Monaten tief. Wer investiert schon in altmodische Konzerne, die zudem noch in bislang unbekannter Höhe für die Entsorgung des Atommülls zur Kasse gebeten werden? Wer steckt sein Geld in die Kohleverbrennung, die das Klima schädigt und deswegen immer unbeliebter wird?

Seit Monaten schon spürte RWE die Folgen, der Konzern kam kaum noch an frisches Kapital. Indem er das Geschäft mit den erneuerbaren Energien, die Netze und den Vertrieb nun ausgliedert, versucht Vorstandschef Peter Terium den Befreiungsschlag. Die Tochterfirma wird, so seine Hoffnung, leichter neue Geldgeber finden, schließlich kann sie grünes Wachstum versprechen.

Ob der Plan aufgeht? Am Dienstag schoss erst einmal der RWE-Aktienkurs nach oben – dabei sind die Aussichten für das Mutterunternehmen weiterhin nicht rosig: Zwar mag durch eine florierende Tochter auch Geld an die Mutter zurückfließen. Doch das wird diese auch dringend brauchen, bei ihr bleiben ja Kohlegruben und Atomkraftwerke und damit Aufräumkosten in Milliardenhöhe.

Auch der Energieversorger E.on hatte vor ein paar Monaten versucht, sich durch eine Aufspaltung neu zu erfinden. Der Konzern hatte allerdings durch seine Art der Teilung zugleich probiert, sich aus der unbegrenzten Verantwortung für die Altlasten zu stehlen. Man wollte sich quasi auf Kosten der Steuerzahler neu erfinden.

Das wolle RWE nicht, wurde am Dienstag explizit betont. Wohl auch, weil das nicht mehr so einfach geht. Erst kürzlich hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel solchen Plänen einen gesetzlichen Riegel vorgeschoben. Zudem lässt er nun eine Kommission prüfen, wie die Rückstellungen der Konzerne für die Entsorgung des Atommülls dauerhaft gesichert werden können.

Seit heute sind die Chancen, dass wenigstens ein Teil von RWE die Folgen überlebt, ein bisschen besser.