So also fühlt sich ein Zeitsprung an: Wer sich durch den Verkehr in Albaniens Hauptstadt Tirana quält, sieht überall hupende Opel, Audi, VW, Mercedes und BMW. Ein tiefes Einatmen lässt erahnen, was ohne Klimaschutz mit unseren Lungen passiert wäre. Abgas liegt in der Luft, denn die vielen Autos, die auf Gehwegen parken und über breite Straßen drängeln, stammen hier aus den 1990er oder gar 1980er Jahren.

Mein Fahrer klärt mich auf: Als sich Albanien 1991 von seiner jahrzehntelangen Isolationspolitik verabschiedete, waren die Straßen noch leer. Privatbesitz war weitgehend verboten, ein eigenes Auto besaß praktisch niemand. Mit Liberalisierungen in den 1990er Jahren wurde dann alles mit einem Motor zum Statussymbol. Oft kamen Autos deshalb ins Land, weil es einige Albaner, die nach der Öffnung die Heimat verlassen hatten, durch mafiöse Geschäfte zu viel Geld brachten.

Auf zwei der eine Million Einwohner in Tirana soll heute ein Auto kommen.

Die Verschmutzung durch all diese älteren Autos ist zu einem Problem geworden, die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation werden um ein Vielfaches überschritten. Und die Regierung wacht auf: Seit einigen Jahren werden Fahrradstationen zum Teilen aus London und Wien kopiert. Damit es nicht mehr so röhrt, herrscht in Tiranas Innenstadt zudem ein – oft freimütig interpretiertes – Hupverbot.

"Halt doch an!", faucht mein Fahrer an einer Kreuzung. Er hat keine Taxilizenz, sondern wie so viele das Taxischild selbst aufs Dach seines alten Mercedes geklebt. Mühsam kurbelt er sich durch die Innenstadt. Servolenkung gehörte nicht zur Standardausstattung. Dann ein kurzes Hupen, ein Bremsen und ein kleiner Schock. Fast hätte es gekracht. "Das nächste Auto kauf ich mit Airbag", sagt der Fahrer ein paar Blocks weiter. Muss er ja nicht, seine alte Karre ist heil geblieben.