Der Hauptbahnhof ist jener Ort, an dem vielen Hamburgern zuerst bewusst wurde: Mit den Flüchtlingen verändert sich die Stadt. Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde es eng in den vergangenen Monaten. Eingezwängt zwischen Taxistand und Kirchenallee, standen in Sichtweite des Schauspielhauses vier Monate lang Zelte zur Erstversorgung von Flüchtlingen. Es war eine radikale Umwidmung dieses Ortes: Wo sonst rege Geschäftigkeit herrscht, herrschte jetzt eine Art geregelter humanitärer Notstand.

Weiße Zelte, vor denen Dutzende junger Männer Tee trinken – dieses Bild ist am Hauptbahnhof nun Geschichte. Seit Anfang der Woche ziehen die Helfer und Flüchtlinge vom Bahnhofsvorplatz ins Bieberhaus um. Dort stellt ihnen eine Immobilienfirma eine Fläche von rund 900 Quadratmetern über dem Ohnsorg-Theater zur Verfügung. Bis August dürfen die Helfer den Ort kostenfrei nutzen, eine Kita, eine Kleiderkammer und eine Arztpraxis einrichten. Dann soll das ohnehin schon im Haus ansässige Finanzamt die Etage beziehen. Es ist eine bitter nötige Verbesserung: Je kälter es wurde, desto prekärer war die Lage am Bahnhof.

Dennoch ist es auch eine schwierige Lösung, die der Senat da unterstützt. Sie ist ein weiterer Schritt in der Institutionalisierung des Transitflüchtlings. Streng betrachtet, wird damit ein illegaler Zustand gefestigt. Denn rechtlich ist es nicht vorgesehen, dass viele der Syrer, Afghanen und Iraker, die in Hamburg ankommen, gar nicht in der Stadt bleiben. Wer Deutschland als Flüchtling betritt, muss sich hier registrieren lassen, so sehen es die europäischen Regeln vor.

Die Krise zeigt, wie schnell solche Vorschriften wertlos werden können, wenn alle sie ignorieren. Die Flüchtlinge haben sich auf ihrem Weg nicht von Zäunen aufhalten lassen. Auch die Hamburger Bitte an sie, zur Zentralen Erstaufnahme zu fahren, war wenig überzeugend. Der Senat hat schon bislang alle weiterreisen lassen, die das wollten – auch aus Eigennutz. Denn eine Stadt, in der sich jeden Monat rund 10.000 Flüchtlinge anmelden, ist beinahe froh um jeden, der weiterzieht. Jetzt bekommen die Transitflüchtlinge ihre eigene Etage, und im Rathaus drücken sie endgültig beide Augen zu. Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig.