1. William Thomas war entsetzt, als er seine Stelle als medizinischer Direktor im Chase Memorial Nursing Home antrat. Das Pflegeheim war ein Ort der Depression, den betagten Bewohnern fehlte jede Lebensfreude. Viele litten an Demenz und siechten teilnahmslos dahin. Thomas wagte ein unerhörtes Experiment: Er schaffte zwei Hunde, vier Katzen und sage und schreibe hundert Wellensittiche an. Das Pflegepersonal ging zunächst auf die Barrikaden. Doch schon bald zeigte die Therapie Wirkung: Bewohner, die seit Monaten nicht mehr gesprochen hatten, wurden plötzlich redselig. Sie unterhielten sich mit den Vögeln, lauschten ihrem Gezwitscher und gaben ihnen Namen. Menschen, denen niemand mehr etwas zutraute, wuchsen an ihrer neuen Aufgabe, sich um die Tiere zu kümmern. Ein dementer alter Herr war so verliebt in seine gefiederten Mitbewohner, dass er bat, seinen Kaffee mit ihnen teilen zu dürfen. In den folgenden Monaten ging die Zahl der verabreichten Beruhigungsmittel im Heim deutlich zurück. Auch die Sterberate sank.

2. Ein Hund im Krankenhaus? Da werden viele sagen: Was für ein Risiko! Deshalb eines vorweg: Der Golden Retriever, den die italienischen Ärzte auf die Kinderchirurgie der Poliklinik San Matteo in Pavia mitbrachten, war gründlich gereinigt, frisch gebadet und vollständig geimpft. So durfte er in die Nähe von operierten Kindern, um an ihnen sein Wunder zu vollbringen. Die 40 Kinder, die an dieser Studie teilnahmen, waren größtenteils wegen eines Leistenbruchs operiert worden. Die Hälfte von ihnen bekam zwei Stunden nach dem Eingriff Besuch von dem flauschigen Tier, die andere Hälfte nicht. Und das machte einen Unterschied: Die Patienten aus der Hundegruppe waren schon bald nach der Narkose wacher und agiler als die Kinder aus der anderen Gruppe. Sie berichteten zudem über weniger Schmerzen, und ihr Speichel wies eine geringere Konzentration des Stresshormons Cortisol auf. Das Ergebnis deckt sich mit anderen Studien. Die Nähe von Hunden, so sagen manche, wirkt ähnlich wie eine Kopfschmerztablette.

3. Als Elisabeth Tova Bailey von einem rätselhaften Erreger infiziert wird, erkrankt sie so schwer, dass sie für Jahre ans Bett gefesselt ist. Sie fühlt sich als Gefangene, fernab der Welt. Eine kleine Waldschnecke ist ihre Rettung, die sonderbare Gefährtin füllt ihre ereignislosen Tage mit Sinn. "Ich sah ihr zu, ohne zu denken, schaute einfach ins Terrarium, um mich mit einem anderen Lebewesen verbunden zu fühlen – kaum zehn Zentimeter von mir entfernt vollzog sich ein anderes Leben", schreibt Bailey in ihrem Buch Das Geräusch einer Schnecke beim Essen. Beseelt verfolgt die kranke Frau das geruhsame Treiben der Schnecke, die sich durch Champignonscheiben und sogar Briefumschläge frisst und dabei verblüffende Kaugeräusche von sich gibt. Bailey bewundert die Anmut, mit der die Schnecke über Moose gleitet und an Farnwedeln baumelt. Ohne die Schnecke, schreibt sie, hätte sie die schwere Zeit nicht überstanden: "Zu beobachten, wie ein anderes Geschöpf seinem Leben nachgeht, gab auch mir, der Beobachterin, einen Daseinszweck."