Seine Bewertung über das Jaime III verteilt Adrian später auf von Holidaycheck vorgegebene Kategorien wie "Zimmer", "Service" oder "Gastronomie". Trotzdem wirkt sein Text wie ein Mahlstrom, in dem Hast und Haarspalterei kein Widerspruch sind. Adrian verfasst ihn nicht nur für Reisende, sondern auch im Bewusstsein, dass Hotelmanager mitlesen. So bemerkt er nach einem Staubtest: "Auch wenn die Reinigungsfachkräfte nicht so groß gebaut sind, kommt man mit einer kleinen Erhöhung auch mal über den Türrahmen, da kam einiges herunter."

Sein Eifer ist weniger vermessen, als man glaubt. Auf kritische Einträge reagieren viele Hotels inzwischen sehr rasch. Denn positive Bewertungen sind für die Nachfrage mittlerweile wichtiger als jede Werbemaßnahme. Im Vier-Sterne-Haus Royal Cupido, einem grellweißen Kasten mit lidschattenblauen Glasbalkonen am Strand von Arenal, wurden aufgrund von Onlinekommentaren schon Steckdosen neu verlegt. Auch hier sind gerade Vielbewerter von Holidaycheck abgestiegen. "Früher blies der Wind nur aus einer Richtung", sagt der stellvertretende Hoteldirektor Diego Álvarez, "heute weht er von allen Seiten. Wer damit nicht klarkommt und schlechte Kommentare sammelt, läuft Gefahr, aus dem Katalog der Veranstalter zu fliegen." Den oft gehörten Verdacht, Hotels legten bei den Bewertungen selbst Hand an, weist er von sich: "Wer sein eigenes Haus hochschreibt, profitiert nur kurz. Zuerst kommen vielleicht mehr Gäste. Doch die sind dann enttäuscht, und der Manipulationsaufwand steigt. Ein Teufelskreis."

Auch die Bewerter sind kaum zu beeinflussen, allein durch ihre Zahl. Der kleine Kreis der Reisebuchautoren und Journalisten ließ sich noch leicht hofieren. Heute kann jeder Hotelgast seine Erfahrungen veröffentlichen. Jemand wie Adrian, dem sein Top-Status viel bedeutet, läuft schon mal im Holidaycheck-Shirt durch die Lobby und bekommt dann gelegentlich Angebote für freie Massagen und Zimmer-Upgrades. Doch die, sagt er, lehne er ab.

Auch Silvia profitiert nicht von ihrer Tätigkeit. Die Holidaycheckerin, Gast im Royal Cupido, hatte um einen Late-Check-out gebeten – vergeblich. Bereits 174 Hotelbewertungen hat Silvia aus der halben Welt gepostet. Manche davon im Abstand von Tagen. Die Erklärung dafür ist einfach: Die strichdünne Mittdreißigerin, die gerade mit wehender Blondwolke und signalrotem Lippenstift so schmissig in die Lobby stöckelt, ist Stewardess. Unter dem Arm trägt sie einen Stapel Broschüren von Hotels aus der Nachbarschaft. Wie eine Profitesterin nimmt Silvia nicht nur ihr Quartier unter die Lupe, sondern sichtet auch weitere. "Ich bin süchtig nach Hotels", sagt sie, "seit meiner Kindheit. Nenn mich eine Hoteloholic!" Und woher der Mitteilungsdrang? Ihre Bewertungen, die sie gleichermaßen bei Holidaycheck und der internationaleren Seite Tripadvisor veröffentlicht, gäben ihr die Möglichkeit, Dampf abzulassen. "Das ist wie mit der Crew. Hat man ein schlechtes Hotel erwischt, dann krittelt man im Bus zum Flughafen so lange daran herum, bis der Ärger verraucht ist."

Die Inspektion des Zimmers unternimmt Silvia so energiegeladen, wie sie spricht. Wo immer sie hinschaut, erkennt sie einen Makel. Die Leselampen? Gelump, das einem auf den Kopf knallt, wenn man es nur berührt! Das Waschbecken? Ein Wasser verspritzendes Unding, unter dessen Hahn noch nicht einmal ein Becher passt! Der Safe? Eine in Kniehöhe angebrachte Frechheit, die mit dem Schiebeschrank zusammenstößt! Als Silvias Furor endlich verebbt, ist man sicher: Nur der Abriss kann jetzt noch helfen.

Um eine Bewertung zu begründen, würde es genügen, ein oder zwei Details herauszugreifen. Doch Silvia postet später ihre gesamte Bestandsaufnahme. Manchmal bedauere sie selbst ihren Perfektionismus, sagt sie. "Aber je mehr Erfahrung du hast, umso genauer schaust du hin." Was verlangt sie denn von einer Herberge? "Zimmer, in denen ich mich sofort heimisch fühle. Es darf keine drei Tage dauern, bis ich begreife, wie die Beleuchtung funktioniert." Deshalb achtet Silvia auch auf scheinbar unbedeutende Dinge wie ein fehlendes Schräubchen am Fluchtplan. "Solche Sachen summieren sich zu einem diffusen Unbehagen. In meinen Kommentaren versuche ich, das bewusst zu machen. Und wenn ich das schaffe, erziehe ich die Nutzer dazu, auch selbst präziser hinzusehen."

Tatsächlich verblüfft Silvias Talent, den Finger selbst in kleinste Wunden zu legen. Jeder Kritikpunkt stimmt. Erstaunlich nur, dass das Haus in ihrer Gesamtwertung noch immer auf 4,1 von sechs Punkten kommt. Das verdankt sich einer Zusammenschau verschiedener Kategorien, die viele Negativurteile am Ende abmildert.