1. Auf wie viel Grad Celsius soll die Erderwärmung begrenzt werden?

"Below 2°C, together we can make it – Unter zwei Grad Celsius, zusammen können wir es schaffen" steht in großen Lettern am deutschen Pavillon auf dem Konferenzgelände. Die durchschnittliche weltweite Erwärmung auf höchstens zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen und so den Klimawandel in halbwegs kontrollierbaren Bahnen zu halten ist seit Jahren Leitmotiv vieler Gipfel. Aber auch in Paris werden die Staaten dieses Gelübde nicht einlösen. Die bislang von ihnen eingereichten Klimaschutzbeiträge laufen nach Berechnungen von Experten auf ein Plus von knapp drei Grad hinaus. Aber schon bei der Hälfte davon würden niedrig gelegene Erdregionen voraussichtlich massiv durch Überflutungen und den Anstieg des Meeresspiegels geschädigt.

Die besonders bedrohten Insel- und Küstenstaaten wie die Malediven, Kiribati oder Bangladesch fordern daher, ein 1,5-Grad-Ziel in den Vertrag zu schreiben. Gastgeber Frankreich, Deutschland und Italien unterstützen das prinzipiell. Doch der Widerstand ist zu groß: Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien wie auch Indiens Regierung, die im großen Stil mit Kohlestrom das Land elektrifiziert, wollen über das 1,5-Grad-Ziel nicht einmal diskutieren. Der US-Verhandlungsführer Todd Stern will nun wenigstens "einen Weg finden, die 1,5 Grad in irgendeiner Weise zu erwähnen". Den Insulanern wird es kaum nützen.

Selbst für das Zwei-Grad-Ziel dürfen nur noch etwa 1.000 Milliarden Tonnen CO₂ in die Atmosphäre gelangen – gerade mal das 30-Fache der derzeitigen weltweiten Emissionen eines Jahres. Um mittelfristig auf einen Zwei-Grad-Kurs zu kommen, wollen Deutschland, andere EU-Staaten und UN-Chef Ban Ki Moon einen sogenannten Ambitionsmechanismus in das Abkommen hineinverhandeln. Demnach sollen sich die Nationen gemeinsam verpflichten, alle fünf Jahre ihre Klimaschutzversprechen im Hinblick auf das Zwei-Grad-Ziel zu überprüfen. Und ihre Beiträge danach gegebenenfalls nachzubessern.

Gegen diesen Automatismus haben sich einige Delegationen anfangs vehement gewehrt: allen voran die der Saudis, Inder sowie von Rohstoffexporteuren wie Russland und Venezuela. Zurzeit laufen die Verhandlungen auf einen Kompromiss hinaus: Der Fünf-Jahres-Check soll kommen, statt – wie geplant – 2018 aber erst 2021 starten. Die Gegner wollen sogar 2024 durchsetzen – und sich möglichst auf keine verbindlichen Zusagen einlassen. Besonders ambitioniert wäre der Mechanismus dann nicht.

2. Kommt das Wort "Dekarbonisierung" in den Abschlusstext?

Die "Dekarbonisierung der Weltwirtschaft" hat Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juni beim G-7-Gipfel der sieben großen Industriestaaten gefordert. Damit gemeint ist die vollständige Abkehr von Kohle, Erdöl und Erdgas bis zum Ende dieses Jahrhunderts.

Die Vertreter rohstoffarmer europäischer Nationen und vieler Inselstaaten wollen den Schlüsselbegriff und das Ziel Dekarbonisierung in das Abkommen aufnehmen.

Das ist mehr als Wortklauberei. Je eindeutiger die Sprache des Vertrags ist, so hoffen die Befürworter, desto mehr Geld werden Investoren in klimaschonende Technologien umschichten.

Für Großeigentümer fossiler Rohstoffe wie Kuwait, Venezuela oder Iran ist Dekarbonisierung hingegen ein Tabuwort. Denn käme es wirklich dazu, wären ihre Bodenschätze wertlos.