Krebs ist eine dramatische Krankheit. Wer die Diagnose hört, weiß, dass es ums Sterben geht und dass die richtige Therapie von unbezahlbarem Wert sein kann. Da liegt die Vermutung nahe, dass manche Pharmaunternehmen diese Schicksalsfrage bei ihrer Preispolitik ausnutzen.

Das belegt nun eine Studie im Fachblatt Lancet Oncology: Sie zeigt, dass es bei Krebsmedikamenten von Land zu Land gewaltige Preisunterschiede gibt. Dabei mag man noch verstehen, dass im armen Griechenland Krebsmedikamente besonders günstig angeboten werden. Dass aber in anderen Ländern der Preis um fast 400 Prozent höher liegt und dass Deutschland (mit anderen europäischen Ländern) zum absoluten Hochpreisgebiet gehört, wirft schon Fragen auf. Schwer nachvollziehbar ist auch, warum ein Medikament gegen Lungenkrebs hierzulande 172 Prozent teurer ist als in Neuseeland – obwohl das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf beider Länder nahezu gleich ist.

Diese gewaltigen Preisunterschiede sind allerdings nur der halbe Skandal. Aufgeklärt ist die Sache nämlich trotz der verdienstvollen Studie nicht. Denn häufig gewähren die Hersteller eine Reihe von Rabatten, und so ist völlig undurchsichtig, wie viel für ein Krebsmedikament am Ende tatsächlich bezahlt wird. Im Alltag hat diese Intransparenz zur Folge, dass ein Gesundheitssystem bei lebenswichtigen Medikamenten, ohne es zu wissen, kräftig draufzahlt. Eine transparente Preispolitik müsste Pflicht sein.