Nun gehen in Paris nach zwölf Tagen die Lichter in den Verhandlungsräumen der UN-Klimakonferenz wieder aus, knapp 120.000 Polizisten und Militärs können verschnaufen, und die Weltaufmerksamkeitsökonomie wird sich nach diesem gigantischen Werbeaufwand für den Klimaschutz dem nächsten Brennpunkt zuwenden. Die Revolutionshauptstadt Paris, so hatte es François Hollande im Sommer angekündigt, werde dank der Klimadiplomatie eine neue Revolution erleben, 195 Vertragsstaaten plus EU würden endlich verbindlich werden – ein Weltgipfeltreffen des politischen Willens! Dann kam der Terror des 13. November, der ausgerechnet in Paris die Frage nach politischer Handlungsfähigkeit und Ohnmacht in greller Weise neu stellt. In die Geschichte der Klimadiplomatie wird sich dieser Tag einbrennen, und umso lesenswerter ist das Buch Schlusskonferenz über das junge Feld der Weltklimapolitik, auf dem seit 25 Jahren die Völkergemeinschaft mit sich ringt, um Absichten in politisch verbindliche Regeln zu übersetzen. Der Umweltjournalist Nick Reimer, Chefredakteur des Onlinemagazins klimaretter.info, hat diesem Politikfeld und seiner kurzen Geschichte ein ausgezeichnetes Buch gewidmet. Es setzt mit jener "Sternstunde der Menschheit" ein, als die Reimer den Erdgipfel von Rio im Jahr 1992 diplomatiegeschichtlich versteht. Es erzählt spannend davon, wie seither die Weltöffentlichkeit, die Konferenzdiplomatie, die Wissenschaften, die Staaten und die Zivilgesellschaften einander in winzig kleinen Schritten voranbringen. Immer wieder blockieren die mächtigen Lobbyisten, immer wieder treten alle nur auf der Stelle. "Demokratietests" nennt Klimapionier Hartmut Graßl das fortgesetzte Kräftemessen, von dessen Anstrengungen und Absurditäten Reimer so kurzweilig berichtet. Dieses politische Gewimmel hat ein überzeugendes Ziel: Frieden auf Erden. Wir raten zu.

Nick Reimer: Schlusskonferenz. Geschichte und Zukunft der Klimadiplomatie; oekom Verlag, München 2015; 208 S., 14,95 €