Was ist eigentlich so toll an "Star Wars"?

Ein Konferenzraum im Hamburger ZEIT-Gebäude. Bruno (8), Christoph (12) und die Geschwister Juli (12) und Piet (13) sind Kinder von Kollegen. Ihre Eltern haben uns versichert, dass wir kaum bessere Star Wars-Experten finden werden als sie.

DIE ZEIT: Nächste Woche startet der neue Star Wars-Film in den Kinos, alle reden darüber. Wir verstehen diesen ganzen Rummel nicht – haben aber, ehrlich gesagt, auch noch keinen Film der Reihe gesehen. Wie seid ihr Fans geworden?

Piet: Meine Schwester Juli und ich sind drauf gekommen durch unseren Vater. Das lief mal im Fernsehen, in der zweiten oder dritten Klasse.

Juli: Ich hab das in der Schule mal mit ein paar Jungs gespielt. Die haben mir das erklärt.

ZEIT: Was heißt gespielt?

Juli: Halt nachgespielt. Mit eigener Geschichte.

Piet: Man hat einfach so getan, als ob man ein Lichtschwert in der Hand hat.

Christoph: Bei uns in der Grundschule hat die Lehrerin alles verboten, was irgendwie an eine Waffe erinnern konnte.

Bruno: O Gott!

Christoph: Star Wars mussten wir deswegen "Star Peace" nennen.

Piet: Voll übertrieben.

Christoph: Ich durfte Star Wars auch nicht gucken. Stattdessen hab ich mir auf Wikipedia heimlich die Artikel durchgelesen. Dadurch wusste ich bald mehr als die meisten anderen über Star Wars.

Piet: Jedipedia gibt es auch, ne.

ZEIT: Die Jedi sind die in den braunen Kutten?

Piet: Ja, die Gegenspieler von den Sith.

Christoph: Ich hab irgendwann dieses Buch gefunden, das "Buch der Jedi". Meine Kumpels und ich haben beschlossen: Wir sind der Widerstand zur Lehrerin. Wir sind Jedi. Bis zur vierten Klasse hab ich geglaubt, ich sei ein Jedi, was mit einem Bowlingkugel-Unfall zu tun hatte, von dem ich dachte, ich hätte ihn mit dem Geist herbeigeführt.

ZEIT: Aha.

Christoph: Weil wir Jedi waren, sind wir stiller geworden. Das fanden die Eltern gut. Dann haben wir gesagt: Wir wollen nie heiraten, keine Bindung. Wir müssen Schwertkampf üben und meditieren. Da haben sie sich doch Sorgen gemacht, wir könnten in irgendeiner Sekte sein.

ZEIT: Es gibt also Jedi, Sith und Lichtschwerter. Aber worum geht es in Star Wars überhaupt?

Christoph: Um Krieg.

Juli: Das sagt ja schon der Name, ne.

Christoph: Gut gegen Böse eigentlich.

Bruno: Jedi gegen Sith.

ZEIT: Die Jedi sind die Guten?

Piet: Die haben diese Lichtschwerter.

Juli: Die Sith haben auch Lichtschwerter, aber bei denen sind sie rot.

Piet: Die Sith sind böse Jedi.

Es geht immer um Gut gegen Böse?

Bruno: Die helle Seite gegen die dunkle Seite der Macht, genau.

ZEIT: Und alles ja wohl im Weltall. Sind die Figuren Aliens?

Juli: Die Hauptfiguren sind Menschen. Luke Skywalker zum Beispiel oder Obi Wan.

Piet: Es gibt zwar keine Erde, aber es gibt Menschen. Es gibt ganz viele Planeten. Das ist eine Galaxis. Und ganz viele Aliens, die von den verschiedenen Planeten kommen.

ZEIT: Seid ihr, wenn ihr spielt, lieber Jedi oder lieber Sith?

Juli: Jedi!

Christoph: Sith, hehehe.

Juli: Ich bin gern Obi Wan. Ich mag das, wie er es im dritten Teil als fast einziger Jedi schafft zu überleben. Als die alte Republik stürzt und das Imperium und die Sith die Macht übernehmen.

Piet: Ich mag Han Solo. Das ist ein Schmuggler, der den Jedi hilft. Der hat immer einen guten Spruch auf Lager. Das finde ich cool.

Bruno: Meine Lieblingsfigur ist aus dem neuen Film. Kylo Ren, der Bösewicht. Ich finde das Lichtschwert von dem cool.

ZEIT: Was ist eigentlich an Star Wars besser als an anderen Science-Fiction-Filmen?

Christoph: Meine Kumpels stehen alle eher auf Star Trek. Damit kann ich auch was anfangen, aber Star Trek ist mehr Technik. Bei Star Wars geht es um dieses Macht-Ding. Das ist viel spannender!

ZEIT: Kannst du dieses Macht-Ding erklären?

Christoph: Das ist diese ganze spirituelle Sache. Wer die Macht beherrscht, kann höher springen, Gegenstände mit den Gedanken bewegen. Und zwar schwere Gegenstände.

Piet: Man kann auch Gedanken von anderen beeinflussen.

Juli: Das ist ganz wichtig beim Lichtschwertkampf. Man sieht voraus, was der Gegner macht.

ZEIT: Die Jedi haben also übernatürliche Kräfte.

Christoph: Ja. Und die Macht durchdringt alles. Du musst dir das vorstellen: wie Gott nach Aquin.

ZEIT: Du hast Thomas von Aquin gelesen?!

Christoph: Wir hatten den in Werte und Normen. Meine Cousine hat in Deutsch sogar Star Wars durchgenommen. In Baden-Württemberg.

Piet: Das ist ja voll cool! Wie unfair.

ZEIT: Christoph, du meintest, die Macht sei wie Gott.

Christoph: Die Macht ist überall, ständig im Fluss. Die Jedi können sie für sich nutzen. Aber sie nutzen die Macht nicht als Waffe, wie die Sith.

Bruno: Die Sith würgen ...

Christoph: Die lassen auch Blitze aus den Fingern schießen und Gliedmaßen verdampfen.

ZEIT: Stellt ihr euch manchmal vor, wie es wäre, wenn ihr die Macht hättet?

Piet: Wär einfacher.

Bruno: Klassenkameraden aus’m Weg räumen.

Juli: Die Lösungen bei den Mathe-Tests schon kennen.

ZEIT: Gibt es etwas, was ein bisschen wie die Macht ist, in unserer Welt?

Christoph: Der Geist vielleicht. Die Fantasie.

Piet: Hm.

"Die Fantasie wird immer weniger, je älter man wird."

ZEIT: Was ist mit Religion?

Piet: Puh.

Juli: Religion ist noch mal was anderes.

ZEIT: Warum sind die Sith eigentlich so böse?

Bruno: Sie wollen die Macht für sich haben.

Piet: Die Sith sind selbstsüchtig, die denken vor allem an sich. Sie benutzen die Wut, dadurch werden sie stärker.

Juli: Die wollen auch viel mehr töten. Die Sith wollen Herrscher sein über alles.

Christoph: Die Jedi haben immer eher versucht, die Macht zu erforschen und sie zu verstehen, während die Sith sie nur missbraucht haben.

Piet: Die einen sind so was wie Physiker, die das Universum erforschen, und die anderen sind die, die daraus eine Atombombe bauen wollen.

ZEIT: Angenommen, ich bin ein junger Mensch in diesem Star Wars-Universum. Kann ich mich dann für die helle oder dunkle Seite entscheiden?

Piet: Na ja, erst mal musst du natürlich entdeckt werden. Wenn du auf irgendeinem Planeten geboren wirst, musst du erst mal von den Jedi gefunden werden.

Christoph: Jedi-Missionare durchforsten mit ihren Forscherschiffen die Galaxis.

Bruno: Irgendwann ist man auch zu alt.

Christoph: Mit zwei Jahren muss man eigentlich schon zum Jedi ausgebildet werden. Die Gefühle müssen unterdrückt werden. Die Jedi müssen ja vollkommen gleichgültig sein. Deswegen werden sie schon als Babys von den Eltern weggeholt.

ZEIT: Das ist ja ziemlich brutal.

Juli: Die Eltern wollen das quasi auch.

ZEIT: Jedi sind also richtig gefühlskalt.

Juli: Na ja, theoretisch ja.

Christoph: Die lieben die gesamte Galaxis. Wenn du etwas Gutes tun musst für alle, darfst du nicht auf dein Herz hören, sondern auf das, was das Beste für alle ist. Wenn ich entweder meine Mutter vor der Explosion retten kann oder den ganzen Zug, der explodieren soll, sagt der Jedi: Ich rette den Zug.

ZEIT: Und der Sith?

Christoph: Der sagt, mir ist das alles scheißegal.

ZEIT: Ihr habt heute Spielzeug-Lichtschwerter mitgebracht. Dürfen wir fragen, wofür ihr die braucht, wenn ihr euch das alles auch einfach vorstellen könnt?

Piet: Kinder machen das halt.

Juli: Ich hab nicht das Gefühl, dass ich irgendwelche Requisiten brauche. Ich kann das auch einfach so machen. (schlägt in die Luft) 

Piet: Juli hat sehr viel Fantasie.

Christoph: Als Kind bin ich auch durch die Gegend gejagt in meinem Flieger.

Bruno: Du bist doch noch ein Kind.

Christoph: Als richtig kleines Kind, meine ich. In der zweiten Klasse bin ich mit meinem Raumschiff durch die Gegend geflogen.

ZEIT: Bis du gemerkt hast: Hey, das ist kein Raumschiff. Das ist Luft.

Christoph: Die Fantasie wird immer weniger, je älter man wird.

ZEIT: Wie schade.

Juli: Aber mit Spielzeug spielen macht auch Spaß. Wir haben sehr viel Lego.

Christoph: Ich habe auch Actionfiguren gesammelt, die aber recht teuer waren. Lichtschwerter weniger, weil meine Mutter die gefährlich fand.

ZEIT: Habt ihr euch beim Star Wars -Spielen denn schon mal verletzt?

Juli: Nee.

Piet: Ich nicht, aber ein Freund. Der und seine Kumpels sind mal ausgerastet und haben mit Stöcken aufeinander eingeprügelt. Aber sonst ...

Bruno: Ich nur ne Lampe.

ZEIT: Du hast eine Lampe kaputt gehauen?

Bruno: Hm.

Christoph: Mein Freund und ich haben Schwerter aus Bambus nachgebaut. Wir hatten nach dem Spielen immer blaue Flecken und Schmerzen, aber keiner wollte es sich eingestehen, denn eigentlich hätten wir uns mit der Macht ja heilen können.

Juli: Mir fällt ein, ich hab mich intelligenterweise mal voll verletzt. Ich hab einen Stunt von einem Baum zum anderen gemacht und bin dabei runtergefallen. Ich war, glaub ich, ein Klon-Krieger, auf gefährlicher Mission.

ZEIT: Ist das ungewöhnlich für ein Mädchen, Star Wars- Fan zu sein?

Piet: Da gibt es schon einige Mädchen.

Juli: Es gibt ja auch Prinzessin Leia.

Bruno: Das ist keine Jungensache.

Piet: Ist nicht rein für Jungen, aber schon so: in Richtung Jungen. Harry Potter ist mehr für beide.

Christoph: Die Mädchen in unserer Grundschule waren total der Propaganda der Lehrerin auf den Leim gegangen und petzten auch jede Form von Star Wars . So ist dann auch "Star Peace" entstanden.

Juli: O Gott.

Christoph: Die Mädchen fanden Star Wars schlimm, weil da werden Leute getötet und Tod ist böse. Vor allem hatten sie tierisch Angst, dass wir dann auch zu Bösen werden.

ZEIT: Gibt es irgendwas, was euch auch mal Angst macht in Star Wars ?

Piet: Nö.

Juli: Eigentlich nicht.

Bruno: Also ich fand ein bisschen ekelig, wo Anakin im dritten Teil nach dem Kampf mit Obi Wan so halb tot war ...

Juli: Ja, das stimmt.

Bruno: Wo er nur noch einen Arm hat und keine Beine und wo er da so zerblutet und so und kein Gesicht mehr hat ...

Christoph: Das klingt jetzt brutaler, als es ist.

Piet: Ja, weil in Star Wars kommt eigentlich kein Blut vor.

ZEIT: Nur abgetrennte Arme.

Piet: Die sterben halt alle durch diese Laserstrahlen.

Christoph: Die verdampfen alle.

ZEIT: Also, noch nie einen Albtraum gekriegt von Star Wars ?

Juli: Nee, noch nie.

Piet: Ich auch nicht.

Juli: Ich hab sowieso nur einmal von einem Film einen Albtraum gekriegt, von James Bond. Vom Beißer.

Christoph: Ich hatte mal so eine Art Albtraum. Ich wurde von General Grievous verfolgt, das ist so eine Art Cyborg.

ZEIT: Würdet ihr denn lieber in dieser Welt leben oder in der von Star Wars ?

Juli: Lieber in dieser. In der von Star Wars gibt es immer Krieg.

Bruno: Da wird man locker umgebracht.

ZEIT: Ist die Erde so viel besser?

Juli: Die ist nicht so extrem.

Piet: Auf der Erde ist es so: Es gibt Teile der Erde, da gibt es mehr Gewalt und illegale Aktivitäten als in anderen Teilen.

Christoph: Mexiko.

ZEIT: Glaubt ihr an Außerirdische?

Christoph: Also, ich glaube, es gibt irgendwo welche, es gibt auf jeden Fall irgendwo Leben.

Bruno: Auf dem Mars wurde ja auch schon einmal so ein Gesicht gesehen.

Juli: Die sind weiter weg. In einer anderen Galaxis.

Piet: Ich glaube, Außerirdische sind eher so Bakterien oder so.