Vorbereitung und Brückenkurse

Die Flüchtlinge sollen die Sprache lernen, sich an die deutsche Uni gewöhnen und die Wartezeit auf die Entscheidung des Asylantrags sinnvoll überbrücken. Das ist das Ziel der Orientierungsprogramme, die einige Hochschulen von diesem Herbst an auf dem Campus abhalten, zum Beispiel die Uni Hamburg, die Sprachkurse, Uni-Sport, Schnuppervorlesungen auf Englisch und einem Mathe-Auffrischungskurs anbietet. Auch in Niedersachsen werden Flüchtlinge mit Sprachkursen, Vorbereitung und Beratung gefördert. Bildungsministerin Johanna Wanka will zudem 2.400 zusätzliche Plätze an den Studienkollegs schaffen. Diese Kollegs bereiten internationale Studenten, die sich für ein Studium in Deutschland interessieren, auf die Universitäten vor.

Die Orte: Zum Beispiel Niedersachsen (Hannover, Göttingen, Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück), Hamburg, Trier, Regensburg, Erlangen, Leipzig. Dazu gibt es 30 Studienkollegs in Deutschland.

Gasthörerschaft

Die meisten akademischen Programme für Flüchtlinge sind erweiterte Gasthörerschaften. Die Flüchtlinge können damit reguläre Veranstaltungen besuchen und bekommen meist eine individuelle Beratung, etwa zur Kurswahl und zu weiteren Studiermöglichkeiten. Die Gebühren werden ihnen erlassen. Unis, die für eine Gasthörerschaft eine Hochschulzugangsberechtigung verlangen, sehen in diesem Fall von diesem Nachweis ab. Manchmal erhalten die Teilnehmer auch Zertifikate, die allerdings nicht auf ein späteres Studium anrechenbar sind. An der Uni Bremen können Flüchtlinge schon seit 2014 kostenfrei Kurse ihrer Wahl belegen, viele Hochschulen in NRW sowie die TU und HU Berlin zogen im Sommer nach.

Die Orte: Viele Hochschulen in Nordrhein-Westfalen sowie die HU Berlin, TU Berlin, Hildesheim, Bremen, Greifswald, Kassel, Fulda, Leipzig, Halle, Magdeburg-Stendal, Darmstadt, Frankfurt Oder, Ulm, Neu-Ulm, Freiburg, FH Lübeck (Onlinekurse), Gießen (geplant).

Als Austauschstudenten

An einigen wenigen Unis können Flüchtlinge auch Leistungspunkte erwerben, die sie sich später auf ein reguläres Studium anrechnen lassen dürfen. Flüchtlinge werden dort wie Austauschstudenten behandelt. So können sie die gesamte Infrastruktur nutzen, Prüfungen ablegen und Scheine sammeln.

Die Orte: LMU München, Potsdam

Experimente

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 50 vom 10.12.2015.

Bis Flüchtlinge regulär studieren können, müssen sie Identität, Deutschkenntnisse und Abschlüsse nachweisen. Das kann Jahre dauern. An der Kiron University können sie sofort loslegen, und zwar mit Onlinekursen an internationalen, teils renommierten Hochschulen wie Stanford und Harvard. Das Projekt, von Berliner Studenten entwickelt, bietet die Möglichkeit, mit einem Studium generale zu starten. Im zweiten Studienjahr entscheiden sie sich dann für ein Fach. Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwesen, Informatik, Architektur und Interkulturelle Studien stehen zur Wahl. Erst im dritten Jahr wechseln die Studierenden für den Bachelorabschluss an eine von 15 Offline-Partnerhochschulen. Dann müssen sie alle Nachweise vorlegen. 1.000 Erstsemester haben im Oktober ihr Studium aufgenommen. Wer sich noch nicht so sicher ist, kann auch den Onlinekurs ready4study der Leuphana Universität Lüneburg und der Bundesagentur für Arbeit nutzen. Dieser erklärt den Studieninteressierten das deutsche Bildungssystem und hilft ihnen bei der Bewerbung um einen Studienplatz. Er startet am 7. Januar.

Die Orte: Kiron will einen Campus in Berlin eröffnen. Wie bei dem Leuphana-Projekt ist die Teilnahme aber von überall aus möglich – Internetzugang vorausgesetzt

Fehlende Sprachkenntnisse

Wer in Deutschland studieren will, muss gut Deutsch sprechen. Ein Recht auf Deutschunterricht haben bislang aber nur anerkannte Flüchtlinge. Für Asylbewerber gibt es nur selten Kurse, zum Beispiel wenn die Kommunen oder die EU die Kosten tragen oder wenn es Angebote von Ehrenamtlichen gibt.

Die Lösung: Mehr Sprachkurse. Am 24. Oktober trat ein Gesetzespaket in Kraft, das es erleichtert, Sprach- und Integrationskurse für Asylbewerber anzubieten. Auf dieser Grundlage will die Bundesagentur für Arbeit deutschlandweit Kurse für bis zu 100.000 Menschen finanzieren. Vor allem Asylbewerber mit guten Bleibeaussichten sollen teilnehmen. Viele akademisch gebildete Flüchtlinge bezahlen auch selbst für ihren Deutschunterricht oder lernen eigenständig. Eine weitere Möglichkeit sind englischsprachige Studiengänge in Deutschland, von denen es über 1.000 gibt. Einige davon erheben allerdings Studiengebühren, und nur etwa 180 davon sind Bachelorstudiengänge.

Die Orte: In ganz Deutschland.

Fehlende Dokumente

Wichtige Dokumente gehen bei der Flucht verloren, können nicht mitgenommen werden oder wurden in korrupten Regimes gar nicht erst ausgestellt. Viele Flüchtlinge können daher kein Bachelorzeugnis oder keine Hochschulzugangsberechtigung vorweisen.

Die Lösung: Die Kultusministerkonferenz hat ein einheitliches Verfahren beschlossen, um auch ohne Dokumente studieren zu können. Es besteht aus zwei Schritten. Zunächst sollen die Hochschulen mit mündlichen Interviews und durch alternative Nachweise herausfinden, ob der Bewerber tatsächlich studiert oder eine Hochschulzugangsberechtigung hat. Sie lassen sich zum Beispiel zeigen, welche Leistungen im Onlinesystem der Herkunfts-Uni verzeichnet sind, und kontaktieren deren akademisches Personal. Danach werden die Studienbewerber in Eignungstests geprüft. Wenn diese Nachweise nicht ausreichen, helfen Studienkollegs: Nach einem Jahr Studienvorbereitung legen Studenten dort eine Feststellungsprüfung ab, die dem deutschen Abitur gleichgestellt ist.

Die Orte: In unterschiedlichen Formen an vielen Hochschulen in Niedersachsen, NRW und Sachsen-Anhalt, aber auch im Saarland und in Leipzig.

Fehlende Finanzierung

Wer studiert, erhält keine Sozialleistungen – das gilt auch für Flüchtlinge. In den ersten 15 Monaten erhalten Asylbewerber ein Taschengeld. Das dürfen sie behalten, wenn sie sich immatrikulieren. Nach 15 Monaten wird das Taschengeld aber auf die Höhe eines Hartz-IV-Satzes aufgestockt. Immatrikulierte bekommen dann gar nichts mehr und müssen sich selbst versichern. Auch auf Bafög haben Flüchtlinge, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde, nur dann eine Chance, wenn sie oder ihre Eltern bereits mehrere Jahre in Deutschland gearbeitet haben. Das ist so gut wie nie der Fall.

Die Lösung: Stipendien, Gebührenerlass. Zumindest für Geduldete bessert sich die Situation ab Januar. Sie können dann nach 15 statt nach 48 Monaten Aufenthalt in Deutschland Bafög bekommen. Und bereits anerkannte Flüchtlinge müssen überhaupt keine Wartezeit einhalten. Nur Flüchtlinge, deren Verfahren noch in der Schwebe ist, haben kaum eine Möglichkeit, sich das Studium finanzieren zu lassen. Dieser Gruppe versuchen einige Hochschulen dadurch zu helfen, dass sie ihr die Semestergebühren und die Kosten für das Semesterticket erlassen. Außerdem fördern Länder wie Niedersachsen leistungsstarke Flüchtlinge mit Stipendienprogrammen.

Die Orte: Gebühren werden Flüchtlingen etwa an der Universität Hohenheim erlassen. Stipendien gibt es unter anderem in Niedersachsen und Baden-Württemberg.