Katharina Fegebank ist ein wandelnder Jackson Pollock. Über dem Kleid der Senatorin muss ein Farbtopf explodiert sein, aber es macht nichts, das exzentrische Muster passt zu ihrer heiteren, unkonventionellen Art. Rathaus, großer Festsaal, Vergabe des Future Policy Awards. Das ist der Oscar für gute Gesetze. Wer so einen Preis bekommt, kann sich der weltweiten Aufmerksamkeit von Regierungen und Medien sicher sein.

Geehrt wird dieses Jahr Sansibar. Der Teilstaat von Tansania hat Kinderräte in der Regierung installiert, die Kleinen werden im großen Stil ernst genommen und geschützt.

Geht Fegebank also ans Rednerpult, und vor dem historischen Schinken, der die Stirnseite des Saales schmückt – ein Hafenbild von ausgesuchter Tristesse –, nimmt sie sich als wandelnder abstract expressionism wirklich gut aus. Ihre Rede ist energisch und direkt, so wie man sich das erhofft als von öden Festreden malträtierter Bankettexperte. Fegebank sagt: "Wir wünschen uns Kinder, die selbstbewusst sind." Und: "Hamburg soll zur kinderfreundlichsten Metropole Deutschlands werden." Applaus.

Dann spricht Auma Obama, die Schwester des US-Präsidenten. Schwarzes Samtkleid, in ihren Dreadlocks schimmert es weiß, als hätten sich ein paar Schneeflocken im Haar verfangen, aber es ist wohl traditioneller afrikanischer Kopfschmuck. Man muss das erwähnen, weil persönliches und politisches Erscheinungsbild bei dieser Aktivistin nicht voneinander zu trennen sind. Sie ist auch an diesem Abend eine Vertreterin jenes Kontinents, der als rückständig gesehen wird und nun, in Gestalt von Sansibar, der Welt zeigt, wie eine Gesetzgebung zum Schutz von Kindern auszusehen hat. "In Afrika kommen die Lösungen eben nicht nur von außen", sagt Obama. "Sansibar ist ein Beispiel für alle Länder dieser Welt."

Und während das Essen serviert wird (vegetarische Premiumkost), während hochgewachsene Ladys die stille Auktion in Gang setzen und mit den Prämien (Fotos von Helmut Schmidt, signierte Skier von Maria Höfl-Riesch) zwischen den Tischen paradieren, als seien sie die Nummerngirls einer Revue, strahlt der Saal in seinem Ornat. Die Portale, auf denen efeubekränzte Engel wachen; das Eichenlaub, das sich über die Ballustraden windet; der ins Leder geprägte Lorbeer der Fauteuils – ein einziger prächtiger Glanz.

Fast hätte man vergessen, welchen Preis Sansibar an diesem Abend erhält. Er heißt: Gold Star.