Ein Weihnachtsbrauch von alters her: Kaufrausch? Ohne Ostkurveur! 2015 ist das anders. Die heutige Kolumne betreibt Werbung, im höheren Sinne. Hier gilt sie der heimatlichen Weltkunst.

In der Ostkurve vom 23. April forderte die Musikgeschichte, die epochale Jubiläumsshow der Bluesrock-Legende Engerling müsse als Doppel-CD verewigt werden. Das Buschfunk-Label gehorchte und veröffentlichte soeben 40 Jahre unterwegs . Auch tontechnisch ein Ohrenschmaus!

Ein Jubiläum sehr anderer Art beschert diese Woche. Vom 16. bis zum 18. Dezember 1965 wütete in Ost-Berlin das XI. Plenum des ZK der SED. Partei- und Staatschef Walter Ulbricht und sein Anspitzer Erich Honecker entlarvten antisozialistische Schädlinge und beschuldigten Literaten und Regisseure der DDR des Nihilismus, des Skeptizismus, der Pornografie (siehe ZEIT 50/2015). Nach dem Tribunal wurde fast die komplette Jahresproduktion der Defa verbunkert. Jetzt erstand sie als Box mit zehn DVDs. Verbotene Filme bildet eine tragische Cinemathek der ostdeutschen Moderne: Jürgen Böttchers Jahrgang 45 , Herrmann Zschoches Karla, Berlin um die Ecke von Gerhard Klein, Das Kaninchen bin ich von Kurt Maetzig ... – natürlich auch Frank Beyers Klassiker Spur der Steine . Man schaut gebannt und erleidet noch heute die Geistferne der Macht. Nicht die Künstler, die Partei-Kommandeure ruinierten ihren Staat.

Ich weilte damals außer Landes, und im Jahre 1284 – wie Hunderttausende Fans von Hannes Hegens Bilderzeitschrift Mosaik . Mit Dig, Dag, Ritter Runkel und den gefangenen Teufelsbrüdern zogen wir durch byzantinisches Grenzgebiet. Auf dem Dezember-Heft 1965 präsentieren die Digedags ein Schmuckband: 10 JAHRE. Mosaik existiert immer noch, der mythische (Jo)Hannes Hegen(barth) starb vor einem Jahr. Ich schrieb ja schon des Öfteren über diese Sagengestalt und pries die Bücher von Mark Lehmstedt und Matthias Friske. Wer aber fehlte, war der Meister selbst. Nun erschien ein Prachtband von Biografie: Die drei Leben des Zeichners Johannes Hegenbarth. Der Autor Bernd Lindner betreut die grafischen Sammlungen des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, dem Hegenbarth seine Schätze vermachte. Der Hegenianer Lindner kam dem Weltflüchtling nahe und lässt ihn uns endlich vernehmen.

Im überreichen Nachlass fanden sich auch Amateur-Schmalfilme aus der Blütezeit des Mosaik . Mit deren Hilfe haben Maria Wischnewski und Joseph Lippok eine entzückende Dokumentation erschaffen. Sie enthüllt Das Geheimnis der Digedags , erzählt von Hegebarths Co-Genie Lothar Dräger, der Zeichnerin Lona Rietschel, der Koloristin Heidi Jäger ... Das Werk läuft am 22. Dezember um 21 Uhr im rbb-Fernsehen. Frohe Weihnachten!