Mein Bruder liebte mich, den Jüngeren, aber dass ich nichts wusste und leichtgläubig war, also dumm, weckte das Böse in ihm. Er war acht, ich sechs, die Mutter fuhr, wir Rückbank, Anschnallgurt; Beine, noch nicht lang genug, baumelten. Paul: "In einer Woche stürzt ein Meteorit in die Erde und wird alles zerstören." Ich: "Wirklich?" Paul: "Kam in den Nachrichten." Mutter: "Das stimmt nicht." Zu spät, namenloses Entsetzen war bereits ins weiche Kinderhirn gefahren und ist, danke, Paul, aus dem nur wenig härteren des Erwachsenen bis heute nicht entwichen. Unaufhaltbare Auslöschung allen Lebens durch tumben Stein: Oh mein Gott! Wenn jemand einen rasenden Himmelskörper erwähnt, werden meine Handflächen taub, und Hale-Bopp, der mit dem lustigen Namen, war mir eine tagelange Einübung im Aushalten existenzieller Angst: Was, wenn der abbiegt, auf uns zu? Lars von Trier, der blöde Arsch, dessen Depressionsfilm Melancholia den kosmischen Zusammenprall durchexerziert – das war nackter Horror für mich, noch nie verließ ich einen Kinosaal empörter, mit größerem Bedürfnis, hemmungslos zu weinen. Ich glaube, es geht vor allem um dieses "Da kann man nix machen". Der kommt, der Meteor, in drei Tagen, vier Stunden, sieben Minuten und zwei Sekunden. Für meine Begriffe sollte das erste Interesse der Menschheit daher einer überzeugenden Möglichkeit zur Abwehr von Meteoriteneinschlägen gelten, denn, rein technisch gesehen: Klimawandel, Hunger, Überbevölkerung, wird ja doch alles sehr zweitrangig, wenn es die Erde gar nicht mehr gibt.