* 15. 4. 1968 - † 15. 12. 2015

Ein paar Proben, ein langes Interview, eine Handvoll Premieren an der Komischen Oper Berlin, eine gemeinsame Radiosendung – auf dem Papier ist es gar nicht so viel, was mich mit Stella Doufexis verbindet. Die deutsch-griechische Sopranistin war kein Bühnentier, nicht der dionysische Typ, dem man bedingungslos folgte, weil er es verstand, die Welt in ein paar Töne zu packen und die wehrlose Publikumsseele gleich mit. Sie war, bei aller Schönheit und allen Erfolgen zwischen Salzburg, Brüssel und Barcelona, auch kein Star, jedenfalls nicht im plakativen Sinn. Das hätte ihrer Klugheit widersprochen.

Stella Doufexis, Schülerin von Ingrid Figur und Anna Reynolds, verstand sich vielmehr als Apollinikerin, sie war das, was man eine aufgeklärte Sängerdarstellerin nennt. Ihre Stimme, ein so klarer wie weicher, instrumental geführter, sirenenhaft schillernder Mezzo, machte es ihr von Anfang an leicht, nicht zu den Wichtigtuerinnen ihres Fachs zu zählen. Ob sie Mozarts Cherubino oder Dorabella sang, in Richard Strauss’ Rosenkavalier als Octavian brillierte (unter der Regie von Andreas Homoki in Berlin und der von Christoph Waltz in Antwerpen), Bizets Carmen von allem folkloristischen Kastagnettengeklapper befreite oder Händels Xerxes in den barocken Aberwitz trieb: Ihre Bühnenfiguren umgab ein Licht von Sinnlichkeit und brennender Disziplin. Letzteres mag ihr die Hingabe an den Augenblick manchmal erschwert haben, sie konnte auch spröde sein. Das ist aber auch das Einzige, was man bei einer Musikerin bemängeln kann, deren Herz nicht nur deshalb fürs zeitgenössische Repertoire schlug, weil sie mit dem Komponisten Christian Jost verheiratet war (dessen Hamlet-Vertonung sie 2009 in der Titelpartie aus der Taufe hob). Und die sich neben der Oper konsequent dem Lied widmete, mit besonderer Vorliebe und Intensität dem französischen. Debussy, Ravel, Chausson und Berlioz finden sich auf ihren letzten beiden CDs.

In Simon Rattles neuem Ring des Nibelungen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks hätte sie mitwirken sollen, eine Professur hatte sie angetreten. Vergangene Woche ist Stella Doufexis, die so unbändig fröhlich sein konnte, nach langer Krankheit in Berlin gestorben. Sie wurde 47 Jahre alt.