Zweimal im Jahr fahre ich 2.000 Kilometer von Hamburg nach Siebenbürgen. Dort engagiere ich mich in einer Kirchengemeinde. So schön die Arbeit ist, so sehr frohlocke ich beim Verlassen Transsylvaniens: "Uff, Überlebenstraining wieder mal geschafft!" Auf rumänischen Fernstraßen gilt das archaische Prinzip vom Recht des Stärkeren.

Obwohl in Ortschaften Tempo 50 gilt – wehe dem Autofahrer, der sich daran hält. Einheimische und durchreisende Berufsfahrer im Brummi rücken einem so dicht auf den Kofferraum, dass nur die Flucht nach vorn bleibt. Wenn nicht, dann überholen die Drängler rücksichtslos selbst vor Kindergärten oder Polizeiwachen. Fast alle haben Funk an Bord und warnen sich gegenseitig, sollte wirklich mal ein weißer politia-Dacia auf Sünder lauern. Diese Kamikaze-Kultur hinterlässt Spuren. Die Statistik der "prozentualen Verkehrstoten" sichert den Rumänen seit Jahren einen der vorderen Plätze in der traurigen EU-Hitliste. Doch Anarchie hat manchmal auch ihre schönen Seiten. Wenn etwa Baustellenampeln Rot zeigen, aber kein Gegenverkehr in Sicht ist, dann wird einfach durchgefahren.