Und jetzt? Wird jetzt alles besser, nachdem das größte Beben in der Geschichte des Weltfußballverbandes den Präsidenten und seinen potenziellen Nachfolger hinweggefegt hat? Acht Jahre Sperre und Geldstrafen für Sepp Blatter und seinen einstigen Zögling Michel Platini – das bedeutet für beide quasi lebenslänglich. Es ist eine spezielle Pointe, dass den Erzfeinden nun ein Deal zum Verhängnis wird, den sie noch als Kumpane ausgeheckt hatten: zwei Millionen Schweizer Franken von Sepp für Michel, damit der Franzose dem Schweizer zu einer weiteren Amtszeit verhilft. Einen "offiziellen Akt der Bestechung und Korruption" konnten die Fifa-internen Ermittler nicht beweisen, aber es reichte zu einer Verurteilung wegen "fehlender gesetzlicher Basis" der ominösen Zahlung, Interessenkonflikten, Illoyalität, Verstoßes gegen Pflichten und Verantwortlichkeiten, gegen Glaubwürdigkeit und Integrität, schließlich wegen mangelnden Respekts gegenüber den Gesetzen und Regeln der Fifa und Platinis Amtsmissbrauch als Vizepräsident.

Klingt gewaltig – und doch stellt sich allenfalls eine maue Genugtuung über das Ende dieser symptomatischen Fifa-Karrieren ein. Woran liegt das? Zum einen bleibt eine echte Katharsis aus. So wie man Al Capone nur wegen Steuerhinterziehung verurteilen konnte, so ist in der Causa Blattini nur über den kleinsten schmutzigen Trick gerichtet worden. Die dubiosen Meisterstücke der beiden, etwa die Vergabe der nächsten WM-Turniere nach Russland und Katar, spielen für die Verbannung überhaupt keine Rolle. Im Gegenteil: Im Lichte des Urteils vom Montag scheint es plötzlich so, als sei bei diesen Milliardengeschäften alles korrekt abgelaufen.

Zum anderen ist das Verdikt immer noch nicht endgültig. Den beiden bleibt der Gang zum obersten Sportgerichtshof Cas oder vor ein ordentliches Schweizer Gericht; beide sind in ihrem fortschreitenden Realitätsverlust dazu bereit.

Und schließlich kommt beim Blick auf die Nachfolgekandidaten keine Zuversicht auf. Der europäische Spitzenkandidat ist jahrelang Platinis rechte Hand gewesen. Der aussichtsreichste asiatische Bewerber gehört zur Führungselite seiner totalitär regierten Heimat Bahrain. Für Afrika tritt ein Multimillionär an, dessen wichtigster Fürsprecher eine verdunkelte Lichtgestalt namens Beckenbauer ist. Und zwei weitere Interessenten gelten von vornherein als chancenlos ...

Das Urteil vom Montag könnte dennoch der Beginn eines echten Wandels sein. Die Ethikkommission – von Blatter selbst ins Leben gerufen – hat sich aus der Fernsteuerung durch den Fußballpaten befreit und erstmals richtig zugeschnappt. Zwar kippt ihr Urteil lediglich zwei Männer, deren Machtsystem bereits durch Ermittlungen des FBI und der Schweizer Justiz erschüttert war. Aber aus dem "Home of Fifa", der Trutzburg oberhalb Zürichs, vertrieben werden konnten sie so schnell nur durch die interne Kommission. Darüber hinaus beschloss die Interimsführung des Verbandes, die Amtszeiten der Spitzenfunktionäre zu beschränken, alle finanziellen Transaktionen von unabhängigen Institutionen überwachen zu lassen und bei sämtlichen Aktivitäten Menschenrechtsfragen strikt zu beachten.

Vorerst sind das nur Bekenntnisse auf Papier. Aber seit auch einige Großsponsoren des Weltfußballs den hemmungslosen Selbstbedienungsbetrieb nicht länger mit ihrem Namen verbunden sehen wollen, geht es für die Fifa um ihre Existenz. Vielleicht werden nun wenigstens Blatters Erben aus Schaden klug.